La Vie en Rose


RM_2014_06__Titel_Paris_174x225„Neues Ei.“ Die Stimme des strengen Küchenchefs hallt durch die große Kochschule. Im Fenster der Eiffelturm. „Eins, zwei, drei. Klack. Neues Ei!“ Seine Schüler versuchen verzweifelt, ein Ei aufzuschlagen — mit nur einer Hand, am Rand der Schüssel. Das Eigelb soll in die Schüssel fallen, die Schalen sollen in der Hand zurückbleiben.

Unmöglich! Also noch einmal. „Eins, zwei, drei. Klack. Neues Ei!“ Unter den Kochschülern steht eine Amerikanerin. Mager, etwas verschüchtert, wie ein scheues Reh. Es ist Audrey Hepburn, unverschämt jung. Und es geht um einen Film: „Sabrina“.

Dieser Film ist meine früheste Begegnung mit Paris. Als kleiner Junge habe ich ihn gesehen. Sabrina verbringt zwei Jahre zur Ausbildung in Paris. Und als sie nach Amerika zurückkehrt, schreibt sie ihrem Vater: „Falls du mich nicht wiedererkennst, deine Tochter ist die schönste und extravaganteste Frau, die aus dem Zug steigt“. Und dann steht sie da, auf einem Bahnhof auf Long Island. Und ich dachte: Wow! Nein, nicht wegen Audrey Hepburn (obwohl sie jedes „Wow“ wert ist). Sondern „wow“, was muss das für eine Stadt sein, die einen Menschen so verändert.

Das ist eine Erfahrung, die bis heute jeder macht. Wer nach Paris fährt, kommt verändert zurück. Jeder nimmt etwas mit — und sei es nur etwas mehr Kraft, seine Träume zu leben. Die zur lebensklugen Philosophin gereifte Sabrina weiß auch das: „In Paris soll man leben lernen, die Fenster aufstoßen und das Leben hereinlassen. La Vie en Rose.“ Auch für mich hatte Paris übrigens ein Geschenk: meine Liebe zu Krawatten. Ich gebe zu: Ich hatte mir etwas mehr erhofft. Andererseits, Krawatten sind recht treue Wesen. Also probieren Sie es selbst aus. Unsere Autoren haben es auch getan — und kamen natürlich verändert zurück, aber auch mit vielen Geschichten aus einer Stadt, die nicht nur ihre Besucher verändert, sondern ständig auch sich selbst. In unserem Heft werden Sie deshalb viel Neues entdecken. Einen kleinen Tipp habe ich aber noch für Sie, und auch hier bin ich mir mit Sabrina einig: „An Ihrem ersten Tag müssen Sie sich Regen bestellen, einen mit dicken Tropfen, weil dann Paris am süßesten duftet“.

1312_DrVoelse_320x480Viel Spaß mit dem ADAC Reisemagazin Paris wünscht
Ihr Hans-Joachim Völse

PS: Schreiben Sie Ihre Meinung an redaktion@adac.de.

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