Himmel und Welle


Die Küste der kleinen Sporadeninsel Skopelos ist ein Traumrevier für Seekajakfahrer. Wir sind ins Wasser gegangen und haben eine einzigartige Grenzerfahrung zwischen Entspannung und Abenteuer gemacht.

Himmel, was soll das denn? Wo­möglich ist auf unserer 14-stün­digen Odyssee etwas schiefgegangen. München – Skopelos war die Reiseroute. Um die zweitgrößte Insel der Nördlichen Sporaden zu erreichen, muss­ten wir siebenmal das Verkehrsmittel wech­seln: Flugzeug, Bus, Zug, Fähre und dazu vier Taxifahrten. Dazwischen war es nur die Vorfreude auf ein sonniges, postkarten­schönes Griechenland, die unsere kleine Reisegruppe bei Laune hielt. Und jetzt das: statt türkisblauem Wasser und mediterranen 30 Grad steingraues Meer mit Wellen, die sich an der rauen Felsküste stoßen – und Nieselregen. Verfluchtes Ende einer Irrfahrt, hadere ich im Stillen. Sind wir gar auf einer britischen Insel gelandet

Kajakguide Neil McAra kommt genau von dort, wo dieses Wetter üblicherweise zu Hause ist. Vielleicht so eine Art gött­liche Fügung: Vor vier Jahren verlor er sei­nen Job bei der Feuerwehr in einem klei­nen Ort nahe Birmingham. „Daraufhin haben meine Frau Yvonne und ich alles verkauft, was nicht in unser Auto passte, und sind einmal quer durch Europa nach Skopelos gefahren, um hier ein neues Leben anzufangen“, erzählt der groß ge­wachsene 46-jährige Mann. „Zuerst hatte ich keinen Plan. Dann kam mir die Idee, etwas Spezielles anzubieten – etwas, was es auf der Insel noch nicht gibt“, sagt Neil und lädt ein Boot nach dem anderen vom Anhänger. Er machte eine Ausbildung zum Seekajakführer, schaffte zwei Kajaks an, dann noch eins … Mittlerweile besitzt er 24 Boote und bietet Sonnenuntergangstouren, Trainings für ambitionierte Hobbysportler oder mehrtägige Inselumrundungen für Touristen an. „Es läuft“, sagt er – es hat ihn selbst ein bisschen überrascht. Nicht viele Ausländer haben in den letzten Jah­ren in Griechenland ihr berufliches Glück gesucht und auch gefunden.

Während wir leicht fröstelnd am men­schenleeren Kiesstrand von Chondrogior­gis unsere Regenjacken auspacken, tänzelt Neil in groß geblümter Badehose und T-Shirt von einem Kajak zum nächsten. Er gibt Tipps und verteilt die Ausrüstung: ultraleichte Kunststoffpaddel, Schwimm­westen, wasserdichte Säcke für Essen, Campingkocher, Zelte und trockene Klei­dung. Zeigt, wie wir die Paddel greifen müssen, hilft beim Schließen des Neopren-Spritzschutzes und schiebt schließlich sei­ne Schützlinge nacheinander ins Wasser. Zwei Tage wird er mit uns auf Tour gehen. „Für die Umrundung der ganzen Insel steht der Wind an der Nordküste zu schlecht, außerdem müsstet ihr viel zu anstrengende Tagesetappen zurücklegen – das ist kein Programm für Anfänger“, erklärt der Guide, während er uns durch die stür­mische See wie eine Entenmutter lotst, der die Kleinen beim ersten schaukeligen Schwimmversuch folgen. …

Text: Katja Fastrich; Fotos: Rasmus Kaessmann

Die ungekürzte Reportage über Seekajaking vor Skopelos finden Sie im Reisemagazin Griechenland ab Seite 122. Auch hier zu bestellen.

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