Rhythmus der Nacht


Die Szeneviertel von Lissabon sind legendär: Hier feiern die Menschen auf den Straßen und tanzen bis in den Morgen. Der perfekte Ort für ein Auslandssemester.

Text: Elena Witzeck; Fotos: Cecilia A. H. Arias

Die Sache mit dem Wein hätte besser laufen können. Dabei hat es Maycon nur gut gemeint mit der ganzen Flasche, die er spendiert hat. Seine ausländischen Freunde wollten die portugiesischen Rebsorten kennenlernen. Doch der Moscatel hat eben seine 17 Prozent. Jetzt lehnt an Maycons Schulter ein betrunkener Schotte. Wer hätte schon geahnt, dass der so wenig vertragen würde? Es ist kurz vor zwei, die Kneipen des Bairro Alto, der nachtaktiven Oberstadt Lissabons, schließen gleich. Taxis rollen an zur Weiterfahrt in die Clubs, in der Bar Portas Largas werden die letzten Gäste nach draußen bugsiert. Auch Maycon versucht, sich von dem Schotten zu befreien, denn für den Rest der Nacht – und die Nächte sind lang in Lissabon – braucht er freie Bahn.

Typisch Auslandssemester: feiern, als ob es kein Morgen gäbe. Furchtlos in Fremdsprachen radebrechen. Chronisch pleite sein. Routiniert in Kameras lächeln. 35.000 deutsche Studenten haben im Hochschuljahr 2012/2013 am Erasmus-Programm teilgenommen, so viele waren es noch nie. Der europäische Studienaustausch wird von Jahr zu Jahr beliebter, und die südeuropäischen Städte sind für fast alle das Wunschziel. Nach Lissabon kommen jedes Jahr mehr als 3000 Studenten aus den unterschiedlichsten Ländern Europas. Es geht ums Sprachenlernen, um den Reiz einer fremden Kultur und natürlich auch ums Feiern. Die Bedingungen sind perfekt: viel Sonne, günstige Preise, das Meer zum Surfen vor der Tür. Und die Gunst, das „Bairro“ um die Ecke zu haben: ein Viertel, in dem es fast so viele Bars wie Hausnummern gibt, wo die Menschen vor winzigen Räumen mit Zapfhähnen auf den Gassen stehen und jeder Abend zum Straßenfest wird – mit klaren Ritualen und ungewissem Ausgang.

Die ungekürzte Reportage über das Nachtleben in der portugiesischen Hauptstadt finden Sie im Reisemagazin Lissabon ab Seite 122. Auch hier zu bestellen.

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