Weltberühmt für ihre Weltberühmtheit


1404_Luzern_174x225Die Schweizer waren es. Nein, nicht die Hustenbonbons sind gemeint. Es geht um Grundsätzlicheres, Großartigeres: Die schönsten Berge haben sie um einen der schönsten Seen gestellt und so eine Bilderbuchlandschaft geschaffen, die von jeher die Menschen fasziniert.

Das hat sich früh abgezeichnet. Als Thomas Cook vor rund 150 Jahren die erste Pauschalreise in die Schweiz organisierte, standen Luzern und sein See schon auf dem Programm. Und bis heute pilgern die Erholungssuchenden hierher, ins Herz der Schweiz. Wo alles mit Bedeutung aufgeladen ist. Wo die Vertreter der Urkantone zusammenkamen, um den legendären Bund gegen die Habsburger zu beschwören. Und wo Wilhelm Tell – so will es die Legende – den Apfelschuss wagte und wenig später den Tyrannenmord.

An Mythen ist ohnehin kein Mangel. Wen wundert es da noch, dass der Hausberg Pilatus heißt – nach eben dem Herrn, an den Sie jetzt denken. Er soll dort oben begraben sein und wird für schlechtes Wetter verantwortlich gemacht. Und auch so manch Absonderliches begegnet dem Besucher hier, wo die Schweiz am schweizerischsten ist: der Hexer aus dem Entlebuch zum Beispiel, der Natur essbar macht und in Ameisensäure mariniertes Kalbsfilet serviert. Oder Männer, die sich unter großer öffentlicher Anteilnahme gegenseitig an die Hose fassen (natürlich streng sittlich), um sich bei der Schweizer Urform des Ringens zu Boden zu „schwingen“.

Weltberühmt sind Luzern und der Vierwaldstätter See. Weltberühmt aus all diesen Gründen. Oder einfach: „Weltberühmt für ihre Weltberühmtheit“ – wie es der Schriftsteller Beat Portmann in seinem Essay schreibt.

1312_DrVoelse_320x480Viel Spaß mit dem ADAC Reisemagazin Luzern und Vierwaldstätter See wünscht

Ihr Hans-Joachim Völse
Chefredakteur

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Eine Antwort zu “Weltberühmt für ihre Weltberühmtheit

  1. Liebe Redaktion,

    die letzte Ausgabe des Reisemagazins, die sich mit Luzern befasst, war für mich besonders interessant und unterhaltsam, da ich dort gelebt habe. Nur auf Seite 148 ist dem Autor des Artikels über Mythen und Legenden, Hartmut Kobrow, ein kleiner Fehler unterlaufen.. Er schreibt dort, gleich zu Beginn, dass „50% der Stimmberechtigten gegen eine ‚Masseneinwanderung‘ votierten“. Bei einer Wahlbeteiligung von nur 56% kann das wohl nicht sein – nach meinen Kalkulationen wären das eher um die 27% der Stimmberechtigten. Aber Schweizer, die für die Initiative gestimmt haben, möchten natürlich gerne den Eindruck erwecken, dass die Initiative von einer Mehrheit der Stimmberechtigten angenommen wurde – und so entsteht wieder ein Mythos, der auch die Behauptung vieler Schweizer untermauern wird, dass die direkte Demokratie immer die richtige ist, auch wenn das Resultat einer Abstimmung alles andere als repräsentativ ausfällt.

    Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe Ihres Reisemagazins.

    Mit freundlichen Grüßen
    H. Hanson