So klingt Prag


In Prag spielt besonders die klassische Musik eine große kulturelle Rolle, wie zum Beispiel beim international bekannten jährlichen Festival „Prager Frühling“. Daneben ist aber auch Platz für andere Musikrichtungen. Vom Schlager, wie zum Beispiel vom bekanntesten Sänger aus Prag Karel Gott, über Rock und Pop bis zu Protestsongs. Diese wurden vor allem von Musikern während der Zeit des Eisernen Vorhangs gesungen und gespielt. Bayern-3-Moderator Chris Baumann mit seinen Top 10.

1. Marta Jandová mit Die Happy: „Big Big Trouble“

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http://www.myvideo.de/watch/838469/Die_Happy_Big_Big_Trouble

Die 1974 geborene Marta Jandová ist die Tochter des in der Tschechischen Republik bekannten Musikers Petr Janda. 1993 kam Marta nach Ulm, sprach zwar kein Wort Deutsch, wurde aber vom Fleck weg Sängerin und Gitarristin der Band „Die Happy“. Fünf Jahre lang war sie die Freundin des deutschen Sängers Sasha. Inzwischen lebt Marta wieder in Prag mit ihrem Lebensgefährten, einem tschechischen Frauenarzt, und ihrer im August 2013 geborenen Tochter. Musik war ihr nicht nur bei „Die Happy“ wichtig, die Tschechin hat auch Solo Musik gemacht, in einem Musical mitgespielt und war bei anderen Bands als Gastsängerin dabei. So gewann sie im Jahr 2007 zusammen mit Oomph beim Bundesvision Songcontest für Niedersachsen mit dem Lied „Träumst Du?“. Ihr größter Erfolg mit „Die Happy“ war „Big Big Trouble“.

2. Aleš Brichta mit Aleš Brichta Project: „Lasky jedne plavovlasky”

Vom Musicaldarsteller bei “Jesus Christ Superstar” zum Rocksänger: Aleš Brichta aus Prag ist lange Jahre Sänger bei der Heavy Metall Band Arakain gewesen. Die Musik war unter der kommunistischen Regierung verpönt, und die Texte hatten es auch in sich. Eigentlich war die Band verboten, aber Aleš Brichta schaffte es, dass sie doch spielen durften. Als Jugendlicher hat er sich für amerikanische Countrymusik begeistert, die es damals natürlich in seiner Heimat nicht gab, und es war schwierig ranzukommen. Seine Vorbilder waren westliche Hardrocksänger und Bands. Irgendwann hat er dann solo Musik gemacht oder auch mal ein sogenanntes musikalisches Projekt zusammengestellt. Inzwischen kann der tschechische Musiker auch etwas ruhiger, wie bei „Lasky jedne plavovlasky“.

3. Helena Vondráčková: „Dlouhá noc„

Die tschechische Sängerin macht seit fast 50 Jahren erfolgreich Musik in ihrer Heimat. Die aus Prag stammende Sängerin wurde 1965 bei einem Talentwettbewerb entdeckt. Seit ihrem 14. Lebensjahr macht sie jetzt erfolgreich Musik. Das Besondere an Helena ist, dass sie musikalisch mit der Zeit geht und nicht beim Sound der 1960er-Jahre stehen geblieben ist. „Dlouhá noc“ ist ein wahrer Dauerbrenner von ihr. Im Video ist sehr schön die Helena von damals und heute im Gegensatz zu sehen. Helena singt nicht nur in ihrer Muttersprache, sondern auch auf Polnisch – auch dort ist sie ein großer Star – oder auf Deutsch. Bei diversen Fernsehshows ist sie eine vielgefragte Sängerin, die internationale Hits neu interpretiert und singt.

4. Gipsy: „Eazy“

Radoslav Banga, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Gipsy, wuchs als Straßenkind in Prag auf. Mit bereits 13 Jahren gründet er zusammen mit anderen Roma-Kindern die Hip-Hop-Formation „Syndrom Snopp“. Sein Album „Autentik“ 2010 bot er ausschließlich auf seiner Homepage zum Download an, mit Kontonummer für eine Spende an ihn. Einzige Bedingung war, dass die Songs nicht im Internet auftauchen durften. Dies taten sie jedoch, und somit war das Projekt für ihn leider beendet. Eines der Lieder auf dem Album „Autentik“ ist „Eazy“.

5. Daniel Landa: „Touha“

Daniel Landa aus Prag ist Musiker und Schauspieler. Die Möglichkeit, auf der Bühne in Geschichten zu spielen, sah er während des kommunistischen Regimes immer als Möglichkeit, sich gegen dagegen aufzulehnen. Daniel Landa hat das auch mit der Musik gemacht und war einer der Protestsänger während der Zeit des Eisernen Vorhangs. Er stand immer wieder in der Kritik, da er mit der Band „Orlík“ auch missverstanden wurde. Sie wurde wegen der Texte in die rechte Ecke gedrängt, sah sich aber als patriotische Band. Inzwischen distanziert sich Daniel Landa, der auch in „Alles außer Mord“ in Deutschland vor der Kamera stand, von dieser Zeit. Einer seiner vielen Hits ist „Touha“.

6. Ivan Mládek: „Tramvajácká“

Sänger, Komponist, Songwriter, Komiker und Erfinder. Ivan Mládek aus Prag hat wie sein sein Vater, der Rechtsanwalt und Maler war, sehr früh das Malen begonnen. Im Laufe der Jahre interessierte ihn aber mehr die Musik. Irgendwann bemerkte er auch sein komisches Talent und wurde zusätzlich noch Komiker. Lange Jahre lebte er im Exil in Frankreich. Mládek ist Miterfinder der Guitariano. Dieses Instrument ist eine Mischung aus Gitarre und Keyboard. Anstelle der Saiten findet sich hier ein Griffbrett, auf dem entsprechend der jeweiligen Tonhöhe Tasten angebracht sind.

7. David Elias mit Chantemoiselle: „Es Stück vom Glück“

David Elias ist ein in Prag geborener Jazz-Schlagzeuger, der seit seinem zwölften Lebensjahr in der Schweiz lebt. Er hat dort u. a. mit Pony Poindexter, dem großen Jazz-Saxophonisten, Klarinettisten und Sänger, gespielt. Inzwischen macht er Mundartmusik als Drummer bei Chantemoiselle aus Bern. Die Sängerin Myria Poffet singt in Berndütsch und trifft damit genau ins Herz der Fans. Auf den Konzerten mit David Elias im Hintergrund ist „Es Stück vom Glück“ einer der Hits.

8. Milan Svoboda Big Band: „The Cyclops“

Der 1951 in Prag geborene Milan Svoboda ist einer der vielen Jazzmusiker aus der ältesten Universitätsstadt Ost- und Mitteleuropas. Neben seinem Faible für Jazz hat er auch Musicals und Filmmusiken geschrieben. Zudem ist Milan Svoboda Professor für Komposition und Jazzharmonie am Jaroslav-Ježek-Konservatorium in Prag. Dort kümmert er sich als Leiter auch um das Jazz Orchestra.

9. Vadim Petrov: „Der kleine Maulwurf“

Der russischstämmige Komponist und Pianist hat insgesamt 1300 Musikstücke geschrieben. Viele davon für tschechische Filmproduktionen. Die Erkennungsmelodie zu der Zeichentrickserie „Der kleine Maulwurf“ stammt auch aus seiner Feder. Dabei stand seine Karriere 1968 zur Zeit des Prager Frühlings auf der Kippe, denn seine Werke wurden verboten. Er schaffte es trotzdem als Musikprofessor weiterzuarbeiten und konnte dann wieder mit dem Komponieren beginnen.

10. Karel Svoboda: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

Der Komponist Karel Svoboda hat ursprünglich Zahnmedizin studiert. Zum Glück hat er sich dann doch mehr mit der Musik beschäftigt. Denn ohne Svoboda wären einige Hits von Karel Gott („Biene Maja“) oder auch von Helena Vondráčková nie entstanden. Neben diesen Liedern komponierte er auch Filmmusik und Musicals. Privat hatte er einige Schicksaalschläge zu überwinden, 2007  erschoss er sich in seinem Garten. Eine seiner bekanntesten Melodien neben „Wickie und die starken Männer“ ist bestimmt die Musik zum Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (Tři oříšky pro Popelku).

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