Ganz ausgezeichnet


Alternative Jury, alternative Disziplinen: Sechs Stockholmer
haben den Nobelpreis nicht klugen Wissenschaftlern,
sondern exklusiven Orten in ihrer Heimatstadt verliehen.

Unsere Nobelpreisjury: Sara Scheibenpflug, Emilio Osei-Bonsu, Elsa Billgren, Joel Persson, Tove Oskarsson Henckel, Viktor Fremling (v.l.)

Unsere Nobelpreisjury: Sara Scheibenpflug, Emilio Osei-Bonsu, Elsa Billgren,
Joel Persson, Tove Oskarsson Henckel, Viktor Fremling (v.l.)

Für jeden Wissenschaftler ist er die höchste Anerkennung seiner Leistung: Der Nobelpreis. Seit 1901 wird die von Alfred Nobel gestiftete Auszeichnung jedes Jahr in Stockholm und Oslo verliehen. Der Erfinder des Dynamits hatte in seinem Testament festgelegt, dass er sein Vermögen einer Stiftung vermacht. Die Zinsen sollten Wissenschaftlern und herausragenden Persönlichkeiten mit besonderem Nutzen für die Menschheit als Prämie zugutekommen. In den Kategorien Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Friedensbemühungen werden deshalb jedes Jahr die Preise vergeben.

Große Namen haben diese Ehre erfahren dürfen: Thomas Mann, Nelson Mandela und Albert Einstein. Wir wollten dem Wort „Nobelpreis“ nun eine neue Bedeutung geben. Statt an kluge Wissenschaftler oder große Visionäre geht unsere  Auszeichnung an besonders noble Orte in Stockholm. Die müssen jedoch nicht schick oder teuer sein, sondern ausgefallen und einzigartig. Preise gibt es in den Kategorien Einkaufen, Essen, Trinken, Entspannen, Kunst und Wohnen.

Dazu haben wir eine Stockholmer Jury gebildet, die uns ihre Lieblingsorte verraten sollte – Orte, die nicht in jedem Reiseführer stehen. DJ Emilio gibt einen Hoteltipp, Tove Oskarsson, Chefredakteurin des „Gourmet“-Magazins, besucht mit uns ihr Lieblingsrestaurant, Fotograf Viktor führt uns zu seinem Entspannungsort, Studentin Sara taucht mit uns ins Nachtleben der Stadt ab, Kunstliebhaber Joel stellt Stockholms coolste Galerie vor, und Bloggerin Elsa zeigt, wo sie einkauft.

Das Hotel Ett Hem

Emilio Osei Bonsum, PR-Manager

Auswärts zu Hause: Emilio mag die gemütliche Atmosphäre im Hotel Ett Hem. Kalte Winterabende lassen sich wunderbar im großen Gemeinschaftswohnzimmer am offenen Kamin verbringen. Genügend Lesestoff finden die Gäste in der hauseigenen Bibliothek

Auswärts zu Hause: Emilio mag die gemütliche Atmosphäre im Hotel Ett Hem. Kalte Winterabende lassen sich wunderbar im großen Gemeinschaftswohnzimmer am offenen Kamin verbringen. Genügend Lesestoff finden die Gäste in der hauseigenen Bibliothek.

Manchmal weiß Emilio Osei-Bonsu gar nicht so richtig, wo er eigentlich wohnt. Der 20-Jährige ist ständig unterwegs, ob nun als PRManager oder als Hobby-DJ, und kennt deshalb fast alle Interpretationen der Hotelübernachtung: modern, exzentrisch, bürgerlich – oder unverschämt. Der junge Mann weiß ganz genau, was er gar nicht mag: unpersönliche, sterile Hotels oder nervendes Personal, das zu viele Fragen stellt. „Frühstück ans Bett? Weckdienst am Morgen? Nein danke!“

In Stockholm gibt es viele schöne Übernachtungsmöglichkeiten – keine aber entspricht Emilios Vorstellungen von einem perfekten Hotel besser als das Ett Hem. Der Gewinner in der Kategorie Wohnen versteckt sich in einem Stadthaus aus dem frühen 20. Jahrhundert im noblen Viertel Östermalm. Dass das Ett Hem kein gewöhnliches Hotel ist, verrät schon der Name „Ein Zuhause“. Die Gäste werden nicht wie austauschbare Touristen behandelt, sondern wie gute Freunde der Familie. Jeder kann hier selbst entscheiden, ob er umsorgt werden möchte oder sich lieber selbst das Frühstück zubereitet.

Die Gäste sind eingeladen, das Haus so zu nutzen, als wäre es ihr eigenes: Sie können sich am Kühlschrank bedienen, der mit Delikatessen und Champagner gefüllt ist, das Auto der Familie ausleihen oder mit dem Hotelhund spazieren gehen. Wie in einem privaten Haus ist im Ett Hem jedes Zimmer individuell eingerichtet: Die Komposition von edlen Möbeln, Designerstücken und skandinavischen Antiquitäten verströmt subtilen Luxus. Auch wenn das Haus etwas abgelegen ist, vergisst DJ Osei-Bonsu hier tatsächlich nie, wo er gerade ist.

Sköldungagatan 2, www.etthemstockholm.se

Das Restaurant Oaxen Slip

Tove Oskarsson Henckel

Wassermann: Restaurantinhaber Magnus Ek ließ für das neue Oaxen ein altes Werftgebäude direkt am Ufer abreißen und im gleichen Stil nachbauen. Die Möbel stammen von Auktionen und wurden mit Lampen im Industriestil kombiniert. Durch die komplett verglaste Front haben die Gäste einen wunderbaren Blick auf das Wasser

Wassermann: Restaurantinhaber Magnus Ek ließ für das neue Oaxen ein altes Werftgebäude direkt am Ufer abreißen und im gleichen Stil nachbauen. Die Möbel stammen von Auktionen und wurden mit Lampen im Industriestil kombiniert. Durch die komplett verglaste Front haben die Gäste einen wunderbaren Blick auf das Wasser.

Wenn Tove Oskarsson Henckel essen geht, wird es nobel. 10-Gänge-Menüs sind dann normal, und dass Mahlzeiten dieser Art schnell den Wert einer halben Monatsmiete annehmen, irgendwie auch. Aber das muss die Frau nicht weiter kümmern, denn sie ist Chefredakteurin des „Gourmet-Magazins“. Gutes Essen gehört hier zur Jobbeschreibung. Wenn die gebürtige Koreanerin nicht gerade ein neues Restaurant in Stockholm testet, bleibt die Küche zu Hause  gern einmal rustikal, denn Tove liebt Würste aller Art. Ihr Favorit für unseren Nobelpreis ist aber keine Würstchenbude, sondern das Oaxen in Djurgården.

Das Restaurant von Küchenchef Magnus Ek wurde im Mai 2013 eröffnet und benannt nach der abgelegenen Insel Oaxen, wo er 17 Jahre lang ein Lokal betrieben hatte. Nun gibt es das Oaxen Slip und das Oaxen Krog – mitten in Stockholm. Anders als im Krog, wo 6- oder 10-Gänge-Menüs aufgetischt werden, serviert das Slip einfachere Gerichte zu vernünftigen Preisen. Für Tove gehört genau hier der Nobelpreis hin, vor allem wegen der erstklassigen Qualität der Zutaten. „Magnus geht zum Kräutersammeln selbst in den Wald, die Fleisch- und Wurstwaren stammen aus seiner eigenen Metzgerei, der Oaxen Skafferi. Das begeistert eine echte Wurstliebhaberin natürlich. Sie schaut kurz in die Karte und bestellt ganz schlicht gefülltes Schweinefleisch.

Beckholmsvägen 26. www.oaxen.com

Die ungekürzte Reportage mit noch mehr Insidertipps für die schwedische Hauptstadt finden Sie im aktuellen Reisemagazin Südschweden.

Text: Magdalena Zeller

Fotos: Viktor Gårdsäter

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Eine Antwort zu “Ganz ausgezeichnet

  1. Eine sehr schöne Idee! Stockholm ist mir sowieso sehr ans Herz gewachsen, nachdem ich vor 2 Jahren mal für einige Tage mit meiner Frau dort verbringen durfte. Die Altstadt ist mir eigentlich zu anstrengenden, uns hat es da mehr nach Södermalm und solchen jungen und lebendigen Vierteln gezogen – echt wunderbar und insbesondere im Sommer sehr zu empfehlen.