Das Gipfeltreffen


Sensation auf Deutschlands höchstem Berg! Wenige Tage vor der
Landtagswahl spricht Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer heimlich mit Herausforderer Christian Ude. In Wirklichkeit ist natürlich alles anders – und die Kabarettisten Wolfgang Krebs und Uli Bauer erklären, dass Bayern so gesund ist, weil viel gelacht wird.

Die Kabarettisten Uli Bauer in der Rolle des Münchner Oberbürgermeisters Ude (links) und Wolfgang Krebs als Ministerpräsident Seehofer auf dem Zugspitzplatt.

Die Kabarettisten Uli Bauer in der Rolle des Münchner Oberbürgermeisters Ude (links) und Wolfgang Krebs als Ministerpräsident Seehofer auf dem Zugspitzplatt.

Herr Bauer, Herr Krebs beziehungsweise Herr Ude, Herr Seehofer, wie darf ich Sie denn nun anreden?

Christian Ude*: Nennen Sie diese Person „Herr Nochministerpräsident“ und mich bittschön „Herr Schonbaldministerpräsident“. Wolfgang Krebs: Schon recht, zu mir sagen’s Krebs. Obwohl, wer weiß – vielleicht kommt ja auch noch der Herr Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber ums Eck.

Wer ist der witzigere? Uli Bauer: Ich! (Lacht.)

Und bei den Politikern?

Krebs: Von allen Politikern ist der Stoiber der lustigste! Die Versprecher, die Gesten – der hat das größte Marktpotenzial.

Sind Bayern immer komischer als andere?

Bauer: Das glaube ich nicht. Es gibt sehr viele gute Kabarettisten aus anderen Bundesländern. Krebs: Wir haben aber hier eine ganz bestimmte Tradition – die des „Derbleckens“.

Das müssen Sie erklären.

Krebs: Übersetzt würde man sagen: jemanden hochnehmen, aber nicht verarschen. Bauer: Wer in Bayern keine Ironie verträgt, ist beim Wähler unten durch. Krebs: Für viele ist das ja auch eine Ehre, wenn man derbleckt wird – dann hat man’s doch immerhin zu was gebracht. Bauer: Der Ude hat das sogar perfektioniert: Der derbleckt sich selbst, indem er satirische Bücher schreibt, in denen er sich selbst durchleuchtet und damit auch noch auf die Bühne geht.

Welche Rolle spielt hier die Tradition?

Krebs: Die gibt den Menschen durch alle Zeiten hindurch einen gewissen beschaulichen Halt. Wenn ich mir in unserer globalisierten Welt mitunter viele Sorgen mache, um Bayern sorge ich mich nicht. Ich habe gelesen, dass bis 2050 weltweit zwei Drittel der Menschheit in Metropolen leben werden. Das sehe ich für Bayern nicht kommen – in welche Stadt sollten die denn alle ziehen?
Ude: Nach München, wohin sonst? Krebs: Und wer lebt dann in Gefrees? Ude: Wo? Ein Gfries kenn ich, das ist ein Gesicht, aber Gfräss? Horst Seehofer: Auch von den Gefreesern werden Sie nie der Landesvater, Herr Ude!

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Lachen ist gesund, heißt es. Ist Bayern ein gesundes Land?

Bauer: Viel gelacht wird hier jedenfalls. Und solang wir noch über Politiker lachen dürfen, ohne dass wir verklagt werden oder in die Geschlossene kommen, find ich es hier sehr gesund. Ude: Natürlich ist Bayern ein gesundes Land! Allein das Leitungswasser in München entspringt direkt hier in den Alpen … Seehofer: … die die CSU erbaut hat! Ude: Das ist dasselbe Wasser, mit dem unser bayerisches Bier gebraut und von mir persönlich o’zapft wird. Bayern ist gesund – oder, Horst? Seehofer: Da bin ich ganz meiner Meinung. Und man kann es auch im September direkt wieder erleben: Es ist so schön, hier zu leben, weil die SPD nicht so groß ist. Deswegen geht es den Menschen hier viel besser. Schreiben Sie das!

Die CSU macht ihre Klausurtagung in Wildbad Kreuth. Ist das noch Politik oder schon Wellness?

Krebs: Also, die armen Hunde dort haben gar nichts von dem Bad. Stellen Sie sich mal vor, dort trifft man einen Politiker im Schwimmbecken, dann heißt’s doch gleich: „So, tun wir heut mal keine Politik?“ Wenn wir Kabarettisten dort nachmittags rumflacken, heißt es: „Was für coole Typen!“

Waren Sie schon mal auf Kur?

Bauer: Ich? Ich wohne am Chiemsee! Krebs: Und ich im Allgäu – da hast du ganzjährig Kur. In Düsseldorf oder Bochum braucht man eine Kur, aber nicht, wenn man im Allgäu lebt.

Sebastian Kneipp war Allgäuer.

Krebs: Ja doch, und ich komme aus der Nähe seiner Wirkungsstätte Bad Wörishofen. Gesünder geht es gar nicht.

Sind Sie Kalt- oder Warmduscher?

Seehofer: Kalt natürlich. Also im Sommer. Und wegen dem Kreislauf. Ude: Ich hab das nicht nötig – ich hab einen ganz her-vor-ragen-den Kreislauf. Seehofer: Bei mir ist’s zweimal kälter als bei dem Ude. „Seehofer duscht kälter!“, schreiben Sie das! Ude: Ich dusche gar nicht! Aber schreiben Sie das nicht!

Text: Michael Gösele, Fotos: Fritz Beck

* Uli Bauer antwortet sofort mit verstellter Stimme als Christian Ude. Beide Kabarettisten wechseln im Folgenden immer wieder in ihre Politikerrollen. Lesen Sie das ganze Interview ab Seite 76 im ADAC Reisemagazin Bayern.

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