So klingt Thüringen


Die Musikszene in Thüringen ist zwar relativ überschaubar, hat aber dennoch die ein oder andere musikalische Größe hervorgebracht. Unser Musikexperte Chris Baumann, Moderator bei Bayern 3, hat zum Thema des aktuellen ADAC Reisemagazins einige musikalische Tipps für Sie ausgesucht. Ob Elektro, Schlager, Rock oder Pop – hier ist für jeden was dabei.

1. Clueso (Gewinner)

Clueso aus Erfurt begann seine Musikerkarriere als Rapper bei „Wostok Mob“. Eher zufällig wurde er entdeckt und dann beim Label von den „Fantastischen Vier“ unter Vertrag genommen. 2005 wurde Thomas Hübner, so sein bürgerlicher Name,  vom Goethe-Institut auf Konzert-Workshop-Tour durch Italien geschickt, um mit seinen Texten die Lyrik der deutschen Sprache hörbar zu machen. In seiner über zehnjährigen Karriere als Musiker hatte er einige Radiohits, darunter „Gewinner“.

2. Yvonne Catterfeld („Für Dich“)

Yvonne Catterfeld aus Erfurt musste auf dem Weg zur erfolgreichen Schauspielerin und Sängerin einiges mitmachen. Zu DDR-Zeiten quälte sie sich als sechsjähriges Mädel am Barren, weil es die Talentsucher damals so wollten. Mit 14 Jahren hatte sie einen schweren Unfall mit dem Motorroller, die Gesichtsverletzungen verheilten nur sehr langsam. Sie lernte Klavier und Gitarre, um an der Musikhochschule in Leipzig Jazz- und Popularmusik mit dem Hauptfach Gesang zu studieren. Beim Gesangswettbewerb „Stimme 2000“, den der Mitteldeutsche Rundfunk übertrug, wurde Yvonne Catterfeld nur Zweite, bekam aber trotzdem einen Plattenvertrag. Bekannt ist Yvonne auch durch ihre Rolle bei der Daily-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Inzwischen spielt sie in Fernsehfilmen mit und bringt in unregelmäßigen Abständen neue Alben heraus. Einer ihrer großen Hits war „Für Dich“.

3. Bernd Römer von Karat („Jede Stunde“)

Gitarrist Bernd Römer aus Erfurt hat das Gitarrespielen von den Beatles gelernt. Er war großer Fan der „FabFour“ und schaute sich schon in seiner Jugend jeden Kniff ab. Wer in der DDR professionell Musik machen wollte, musste eine staatlich anerkannte Berufsausbildung absolvieren. Bernd Römer studierte in Berlin-Friedrichshain und spielte während dieser Zeit schon Gitarre bei der Rockband Karat. In den 1980ern wurde er vom DDR-Jugensender „DT64“ zum besten Gitarristen der DDR gewählt. Auch heute rockt er mit Karat bei den Konzerten und, wie im Video zu sehen holt der Musiker alles raus aus seiner Gitarre. „Jede Stunde“ war mit Platz sieben der größte Hit für Karat in der westdeutschen Hitparade.

 4. Petra Zieger („Das Eis taut“)

Petra Zieger, geboren in Erfurt, hat nach ihrer Ausbildung zur Damenmaßschneiderin an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar Gesang studiert. In der DDR sang sie bei einem Wettbewerb in Dresden einen Hit der britischen Sängerin Kim Wilde nach („Chequered Love“) und wurde so einem größeren Publikum bekannt. In den nächsten Jahren war sie dann in ihrer Heimat als Rocksängerin erfolgreich und tourte durchs Land. Inzwischen macht sie eher Schlagermusik. Das Lied „Das Eis taut“ war einer der Songs, der beim Fall der Mauer besondere Bedeutung für viele DDR-Bürger hatte.

5. Stefanie Dreyer von Banaroo („Dubi Dam Dam“)

Bei der Musik, die Banaroo gemacht haben, könnte man denken: Das kann doch jeder. Gut aussehen und etwas trällern. Steffy von Banaroo kann mehr. Die in Weimar geborene Sängerin und Schauspielerin hat Cello gelernt und klassischen Gesangsunterricht genommen. An der Berliner Hochule der Künste studierte sie Musical und Show. Im Video ist Stefanie, genannt Steffy, mit glattenblonden Haaren zu sehen. Der Song zeichnete sich, wie viele Hits für Kids, durch einen absolut einfachen Text aus. „Dubi Dam Dam“ konnte schon fast jedes Baby nachsingen, deshalb wurde es wohl auch ein Hit.

6. Dapayk & Padberg („Backyard/Fluffy Cloud“)

Dapayk ist ein Technoproduzent aus Bad Frankenhausen in Thüringen. In jungen Jahren, noch zu DDR-Zeiten, hat er unter seinem bürgerlichen Namen Niklas Worgt die Schulbank gedrückt. Danach wurde er zum Soundfrickler. Genau so nennt er auch seinen besonderen Stil in der „Electronic Music“, nämlich „Frickling“. Ihm zur Seite steht Padberg, sie ist auch singend bei den Live-Gigs dabei. Padberg ist keine Geringere als das Model Eva Padberg, die auch in Bad Frankenhausen auf die Welt kam und ganz nebenbei die Frau von Niklas Worgt ist. Zusammen machen sie aus Spaß diese Technomusik.

7. Ralph Böhme von der Band Jessica („Halt mich nicht“)

Der aus Meiningen stammende Musiker hat Fagott, Klavier und Tonsatz studiert. Zusammen mit seinem Freund, dem Gitarristen André Drechsler, gründete er in Berlin noch während der Schulzeit die Popband Jessica. Auf den Namen brachte sie das Instrumental „Jessica“ von den Allmann Brothers. Einzug zum Militär und politische Probleme machten es der Band nicht leicht. Anfang der 1980er kamen sie als Profis zurück, wurden aber wegen der Weigerung, eine Auftragsproduktion des Staates durchzuführen, aufgelöst. In den letzten Jahren komponierte Ralph Böhme in erster Linie im Bereich der ernsten Musik.

 8. Lyambiko („Afro Blue“)

Lyambiko ist eine Jazzsängerin mit tansanischen Wurzeln aus dem thüringischen Greiz. Mit 17 Jahren nahm die Sängerin mit dunkler Lockenmähne an einem Bandcontest Teil und gewann damit ihre erste Studioaufnahme. Inzwischen ist sie mit der gleichnamigen Band in ganz Europa in den bekannten Jazzclubs auf der Bühne zu sehen. 2011 wurde sie mit dem Musikpreis Echo im Bereich Jazz ausgezeichnet.

9. Peter Brückner von den Cappuccinos („Wenn Susanna heimlich weint“)

Peter Brückner aus Suhl ist eines der vier Mitglieder dieser gecasteten Band. Schlagersängerin Kristina Bach hatte 2007  mit einer deutschen Zeitschrift eine Mitmachaktion für junge Musiker gestartet. Dabei ist diese besondere Gruppe entstanden: Eine Boyband im Schlagerbereich. Zur Hälfte aus Holland und zur Hälfte aus Deutschland stammend, lassen die Boys die Frauenherzen höher schlagen. Das Video zu „Wenn Susanna heimlich weint“ ist echt witzig gemacht.

10.Eroc („Wolkenreise”)

 Instrumentalhits in den deutschen Charts lassen mich als Chartmoderator immer aufhorchen. Dieses Phänomen ist gerade mit den Österreichern von Klangkarussell oder dem Hit „Children“ von Robert Miles eigentlich nichts Neues. Das gab es schon viel früher: Joachim Heinz Ehrig, gebürtig aus Weimar, schaffte es 1980 mit „Wolkenreise“ immerhin auf Platz 32 in den deutschen Singlecharts. Bei der Band Eroc war dieser Instrumentalsong für die Eröffnungsshow der Konzerte gedacht und wurde zum Hit.

Text: Chris Baumann für das ADAC Reisemagazin

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