So klingt das Piemont


Im Piemont gibt es dank der Großstadt Turin eine abwechslungsreiche Musikszene. Seien es jetzt die italienischen Liedermacher, die Cantautori, die Sänger und Sängerinnen oder die Produzenten, die mit Italo-Disco und Danceprojekten erfolgreich waren. Die gesungenen Sprachen sind Italienisch, Englisch oder Okzitanisch in den Tälern im westlichen Piemont an der Grenze zu Frankreich. BAYERN-3-Moderator Chris Baumann mit seinen Top 10.

Chris Baumann für das Reisemagazin

1. Umberto Tozzi („Gloria”)

Er ist wohl der international bekannteste Musiker aus dem Piemont: Umberto Tozzi. Der in Turin geborene Sänger und Songwriter hat bereits mit 16 Jahren mit Freunden zusammen angefangen Musik zu machen. In seiner Musik ist er durchaus von großen Bands, wie den Rolling Stones oder den Beatles beeinflusst. Umberto Tozzi kommt es in seinen Liedern nicht auf den Inhalt des Textes an, sondern es soll nur gut und schön klingen. Seine großen Hits waren Ende der 1970er-Jahre die Lieder „Ti amo“, „Tu“ und der Welthit „Gloria“. Bei der Album-Produktion zu „Gloria“ kam Umberto Tozzi nach München und nahm es im Union-Studio mit nicht italienischen Musikern auf. Bei der Single Gloria verhalf ihm als Komponisten sogar eine Coverversion der amerikanischen Sängerin Laura Brannigan zu einem Nummer-zwei-Hit in den USA.

2. Daniele Negroni („Absolutely right“)

Daniele Negroni, der in der aktuellen Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ Zweiter hinter dem Schweizer Luca Hänni wurde, ist im Piemont geboren. Nach der Scheidung seiner Eltern verließ er mit seiner Mutter seinen Geburtsort Arona am Ufer des Lago Maggiore und ging nach Deutschland. Für die Castingshow DSDS gab er seine Ausbildung als Koch auf, da ihn sein Chef vor die Wahl stellte: entweder Ausbildung oder DSDS. Das hätte ziemlich schiefgehen können. War im Nachhinein gesehen aber eine richtige Entscheidung. Als Zweiter in der neunten Staffel war er mit dem direkt danach produzierten Album sogar erfolgreicher in den Downloadcharts als der Gewinner Luca Hänni. Zudem hat es ihm geholfen, nach einer durchaus verkorksten Jugend wieder den richtigen Weg im Leben zu finden.

3. Lou Dalfin („Cavalier Faidit“)

„Lou Dalfin“ ist eine der wenigen auf Okzitanisch singenden Musikgruppen im Piemont. Gegründet wurde Lou Dalfin 1982 von Sergio Berardo in Caraglio. Seitdem hat die Band schon 11 Alben herausgebracht und über 1000 Konzerte gespielt. Die Musik wird gerne als Zigeunermusik bezeichnet, was auch stark an der Besetzung mit Flöte, Akkordeon, Dudelsack, Mandoline, Bouzouki, Banjo und Drehorgel liegt. Okzitanisch wird in den westlichen Grenzregionen zu Südfrankreich und Katalanien gesprochen. Diese Sprache beherrschen in den Tälern des Piemont knapp die Hälfte der Einwohner. Das Krankenhaus ist zum Beispiel das „Espital“ oder der Schlüssel ist, wie auf Katalanisch, der „Clau“.

 4. Gigi d‘Agostino („Stay with me“)

Der richtige Beat zum Tanzen, und schon geht es über die Diskotheken in die Hitparaden. Das hat auch bei Luigino Celestino Di Agostino aus Turin funktioniert. Der Musiker und Produzent hatte in den 1990ern und Anfang der 2000er einige Hits als Gigi d’Agostino, wie zum Beispiel „Bla Bla Bla“, „La Passion“ oder „L’Amour toujours“. Sein neuestes Werk ist „Stay with me“. Leider hat man als Italo-Dance-Fan den Verdacht, dass die Zeit dieses Sounds vorbei ist. Allerdings wird es in diesem Jahr Neues von „Eiffel 65“ geben, vielleicht erwartet uns dann ja das Comeback der Italo-Disco.

5. Carla Bruni-Sarkozy („L’Amoureuse”)

Die Gattin des französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy kommt ursprünglich aus Turin im Piemont. Seit dem Kindesalter lebt sie in Frankreich. Carla Bruni-Sarkozy hat früher als Model gearbeitet und auch während der Zeit als Präsidentengattin Musik gemacht. Bereits im Jahr 2000 schrieb sie für den bekannten französischen Sänger Julien Clerc einige Songs, die auch veröffentlicht wurden, bevor sie ihr erstes eigenes Album herausbrachte. Carla Bruni-Sarkozy singt typische französische Chansons. 2008, während der Präsidentschaft kam ihr Album „Comme si de rien n’était“ mit der Single „L’Amoureuse“ auf den Markt. Wieder landete Sie damit auf Platz 1 der französischen Albencharts.

6. Eiffel 65 („Blue”)

Eiffel 65 ist ein Dance-Projekt aus Turin, bei dem Maurizio Lobina aus Asti, Gabry Ponte aus Turin und der auf Sizilien geborene Jeffrey Jey Hits machten. Die Musiker spielen schon seit 1992 zusammen, aber erst mit „Blue (Da Ba Dee)“ im Jahr 1999 kam der Hit – der allerdings dann gleich auf der ganzen Welt. 2006 hatten sie sich aufgelöst. Jetzt sind sie wieder zusammen als Eiffel 65 und in diesem Jahr soll noch ein neues Album erscheinen. Vielleicht kommt dann das Comeback von Italo-Disco. Zum Sound der Lady Gagas, Madonnas, David Guettas oder Pitbulls würde das ja sehr gut passen.

7. Paolo Conte („L‘orchestrina” oder „Via con me“)

oder:

Paolo Conte ist einer der ganz großen Chansonsänger, Liedermacher und Jazzmusiker aus dem Piemont. Geboren in Asti, hat der gelernte Rechtsanwalt Jazzmusik gemacht und wurde trotz seiner rauen Stimme von seiner Plattenfirma dazu überredet, auch mal selbst zu singen. Seitdem gehört er zur italienischen Szene der Liedermacher dazu und ist sehr erfolgreich. Nebenbei malt er noch und fertigt künstlerische Druckgrafiken an. „L’Orchestrina“ ist ein aktueller Song von ihm, während „Via con me“ zu seinen großen Klassikern zählt.

 8. Gianmaria Testa („Nuovo”)

Vom Bahnhofsvorsteher in Cuneo zum erfolgreichen italienischen Cantautore. Geboren in Cavallermaggiore hat er sich schon als Kind das Gitarrespielen selbst beigebracht. Er stammt aus einer Bauernfamilie, in der alle sangen. Seine selbst geschriebenen Lieder handeln von Einsamkeit, Ferne, verlorener und auch wiedergefundener Liebe. Er wird auch gerne als italienischer Leonard Cohen bezeichnet. Ob er dem amerikanischen Songwriter ebenbürtig wird, wird die Geschichte zeigen.

9. Alba („Only music survives”)

Alba heißt mit ganzem Namen Alba Parietti und kommt aus Turin. Ende der 1970er-Jahre begann sie als Bühnenschauspielerin. Sie nahm für Italien an der Miss-Unviersum-Wahl teil, dann versuchte sie es mit der Italo-Disco-Welle mit dem Song „Only music survives“. Mehr Hits gab es allerdings nicht von ihr. Inzwischen ist sie als Fernsehmoderatoren und Schauspielerin immer wieder zu sehen und gilt in ihrer Heimat als Showgirl, das immer für Überraschungen gut ist.

10. Alberto Fortis („Settembre”)

Alberto Fortis stammt aus Domodossola. Eigentlich wollte sein Vater, dass er Arzt wird, hat ihn aber bei seinen musikalischen Spinnereien immer unterstützt. Der hohe Altersunterschied zwischen den beiden war nie ein Problem. Papa Fortis war noch mit 80 Jahren bei Konzerten hinter der Bühne dabei. Alberto Fortis hat mit dem Beatles-Produzenten Max Martin Musik aufgenommen und traf dort als großer Beatles-Fan sogar Paul McCartney und seine damalige Frau Linda.

 

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