Ein Navi für die Antike: Zu Fuß durch Cäsars Welt


Noch sind Zeitreisen nicht möglich. Sollte das aber einmal der Fall sein, gäbe es zumindest schon mal ein Navigationssystem fürs Römische Reich.

Wer weiß, wofür es einmal gut sein wird: Die Universität Stanford hat gerade das erste Navigationssystem fürs Römische Reich präsentiert. Das macht sogar Sinn: Immerhin existierte das Riesenreich über einen Zeitraum von beinahe eineinhalbtausend Jahren – für zukünftige Zeitreisen wohl das lohnendste Ziel.

Heute wie damals gilt: Es wird gereist, gehandelt, man muss Grenzen sichern. Nur: Wie lange dauerte zum Beispiel einst eine Reise von Roma nach Lutetia (das heutige Paris, das unter diesem Namen jeder Asterix-Leser kennt)? Das ist eine Frage, die das Orbis-Projekt der Stanford-Universität nun zu beantworten versucht.

Die Antwort: Zu Fuß dauert der 1786 Kilometer lange Weg über die Alpen 54,6 Tage und kostet etwas mehr als 2193 römische Denari (zur Einordnung: Ein römischer Arbeiter verdient im Rom des Tiberius etwa einen Denar am Tag).  Hoch zu Ross dauert es zwar nur noch 31 Tage, der Preis steigt aber auf rund 2234 Denari – immerhin benötigt das Pferd auch Verpflegung.

Die Startseite in die Welt der römischen Antike

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Um die Berechnungen überhaupt durchführen zu können, hat Orbis nach Art von Google Maps das Römische Reich mit einem Netz aus 751 Haltepunkten überzogen. Sie finden sich auf Schiffsrouten im Meer (hier wird sogar zwischen offener See und küstennaher Reise unterschieden), auf Flüssen und auf Straßen verschiedenster Art.

Das ermöglicht sogar unterschiedliche Routenvorschläge, ganz wie man es von aktuellen Navis kennt: Von Roma nach Lutetia kann man entlang der Küste reisen – das heißt: entlang der Via Aurelia über Pisae, Genua bis nach Arelate (heute das französische Arles), dann das Tal der Rhône hoch bis Augustobona (heute: Troyes). Ab da geht’s per Schiff nach Augustobona. Oder man wählt den Weg über die Alpen: Von Roma geht es dann über Florentia nach Placentia (heute das italienische Piacenza), weiter nach Lousonna am Genfer See und von da entweder über Cambete (heute das elsässische Kembs) oder über Lugdunum (Lyon) wieder nach Augustobona. Hier wartet dann wieder das Schiff nach Lutetia.

Das antike Netzwerk ist darüber hinaus einfach zu bedienen: Einfach Start- und Zielpunkt sowie das gewünschte Reisemittel eingeben (das kann durchaus auch ein Ochsenkarren sein) – schon erhält man die Reiseroute, die wahrscheinlich benötigte Zeit und die Kosten, die die Reise verursachen wird. Selbst die Jahreszeit (in Form von Monaten) wird in die Berechnung miteinbezogen: Es macht durchaus einen Unterschied, ob der Karren im Schlamm steckt oder ein Pferd stoisch hindurch stapft.

Übrigens: Laut ADAC Maps dauert die heute 1410 Kilometer lange Pkw-Fahrt von Rom über Florenz, Genua, und Genf nach Paris 14 Stunden 58 Minuten. Die Kosten: der verbrauchte Sprit und 159,50 Euro Maut (ohne etwaige Vignetten).

Wer wissen will, wie das Navi der Antike zustande kam und welche Informationen verwendet wurden, kann hier weiterlesen.

Text: Günther Fischer, Fotos: PantherMedia/artsiom kireyau, Karte: Orbis

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