Schloss mit lustig 3. Akt


Mein lieber Schwan: Selten hat Porzellan lebendiger ausgesehen als in dieser Vitrine

Mein lieber Schwan: Selten hat Porzellan lebendiger ausgesehen als in dieser Vitrine

3. Akt
Ganz normal verrückt
Sängersaal im Ostflügel
Isabel Dürr, Stuttgart, 7 Jahre — Paul Bucholz, Warschau, 55 JahreRudi Bronnimann, Genf, 67 Jahre — Lisa Rothmayer, Deggendorf, 17 JahreMartin Markert, „Ludwig“-Musical, 29 JahreHermann Jahnsen, Wietmarschen, 72 Jahre Yoshikuni Nagayama, Kanagawa-Ken, 36 Jahre — Robert Loveless, Kansas, 50 Jahre Nina Heinig, Wendlingen, 41 Jahre — Kastellan Markus Richter, Lechbruck, 39 JahreYumi Hosoda, Tochigi-Ken, 37 Jahre — ein Schlossführer — ein Besucher


Der Sängersaal erstreckt sich über den vierten Stock des Ostflügels. Durch die großen Schlossfenster blickt man ringsum auf eine imposante Bergwelt, Mischwälder und Seen. Die Wandbilder erzählen Sagen des Mittelalters. Für ein Konzert sind Stühle im Saal verteilt. Gemalte Märchenwälder zieren die erhöhte Sängerlaube. Aus den Lautsprechern ertönt Wagner

Isabel Dürr: Ist ja ganz schön doof, den Saal so weit oben zu bauen. Da musste Ludwig alles hochschleppen.
Paul Bucholz: Der Sängersaal sollte das Herzstück des Schlosses sein. Über allem thronen. Die Akustik ist fantastisch.
Rudi Bronnimann: Ludwig baute das Schloss nur für Wagner.
Lisa Rothmayer: Er baute es, weil er damit angeben wollte. Er war verliebt in sein Schloss. Sie lacht. Deshalb hatte er auch keine Frau. Bucholz winkt ab.
Paul Bucholz: Er lebte viel zu sehr in seiner eigenen Welt, war mehr Künstler als König.
Rudi Bronnimann: Er war der erste König, der Krieg hasste.
Martin Markert: Er hatte sehr viel Liebe in sich, nur wusste er nicht, wohin mit ihr. Er streift sich durch die Perücke. Er war zudem sehr gut aussehend und eitel.
Hermann Jahnsen: Der Ludwig war einfach nicht schön genug. Für Frauen, meine ich.
Yoshikuni Nagayama: Der wollte doch gar keine Frauen.
Robert Loveless: Kennen Sie einen Mann, der Schwäne liebt?
Rudi Bronnimann. Die einzige Frau, die ihn wirklich interessierte, war Kaiserin Sisi.
Hermann Jahnsen: War Sisi eine Schwester von Ludwig?
Rudi Bronnimann: Sisi war seine Großcousine. Die Verlobung mit ihrer Schwester Sophie ließ er platzen.
Hermann Jahnsen: Das war wohl besser so. Aber wer nicht heiratet, bekommt auch keine Kinder.
Nina Heinig: Ludwig war eine enttäuschte Seele. Die nicht leben durfte, wie sie wollte.
Rudi Bronnimann: Er war ein Lebemann.
Markus Richter: Weil Ludwig gern Süßes aß, verlor er viele Zähne. Er ließ sich die verbliebenen vier mit Seidenfäden anbinden.
Yumi Hosoda: Für einen König ist es normal, verrückt zu sein.
Ein Schlossführer: Ein Schloss – okay, zwei Schlösser – ein wenig verrückt, drei Schlösser – sehr verrückt. Aber noch ein viertes Schloss zu planen, das ist wirklich Angeberei.
Isabel Dürr: Lasst ihn halt. Der war halt so.
Rudi Bronnimann: Also ich habe Ludwigs Leben nie richtig verstanden, seinen Tod auch nicht.
Ein Besucher: Den haben sie ins Jenseits befördert, freiwillig ist der nicht rein in den See.

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