Opas Berge


Traumhafte Kurven und Ausblicke – unterwegs in einem Kultauto der Achtziger mit dem 19-jährigen Rennfahrer Daniel Abt auf Bergrennstrecken seines Großvaters Johann: in einem Audi Quattro, den sein Vater Hans-Jürgen getunt hat

Zurück in die Achtziger: Daniel Abt benutzt stilecht eine Landkarte statt Navigationsgerät

Zurück in die Achtziger: Daniel Abt benutzt stilecht eine Landkarte statt Navigationsgerät

Daniel Abt fährt die Kehren zügig, aber für seinen Geschmack ist das zu langsam. „Schneller wäre schöner“, sagt der 19-Jährige lächelnd, der auf der Rennstrecke auch mal mit 160 km / h durch die Kurven jagt. Das geht natürlich auf Deutschlands kurvenreichster Bundesstraße in mehr als 1000 Meter Höhe nicht, auch wenn die B 308 zwischen Bad Hindelang und Oberjoch eine der traditionsreichsten Bergrennstrecken im Allgäu ist. Daniels Großvater Johann gewann hier 1952 als 17-Jähriger auf einem 12 PS starken DKW-Motorrad die Oberallgäuer Bergfahrt – eine Grenzzonenfahrt durch seine Allgäuer Heimat und Österreich für Motorräder mit und ohne Seitenwagen sowie für Touren- und Sportautos: 230 Kilometer, oft über Stock und Stein auf Alp- und Gebirgswegen.

Tüftler und Rennfahrer: Hans-Jürgen Abt und Sohn Daniel im Showroom des Familienunternehmens, das sein Können in der DTM und im GT-Bereich auf der Rennstrecke zeigt und weltweit Autos aus dem VW-Konzern veredelt

Tüftler und Rennfahrer: Hans-Jürgen Abt und Sohn Daniel im Showroom des Familienunternehmens, das sein Können in der DTM und im GT-Bereich auf der Rennstrecke zeigt und weltweit Autos aus dem VW-Konzern veredelt

Abts Söhne Christian und Hans-Jürgen setzen die Motorsporttradition erfolgreich fort, bauen einen Rennstall auf und entwickeln das Tuning-Geschäft weiter. Für die Tour auf Großvaters Bergspuren holt Hans-Jürgen Abt für seinen Sohn Daniel ein Traumauto der Achtzigerjahre aus dem hauseigenen Museum: einen Audi Quattro, Baujahr 1982, Allradantrieb, Serienpreis damals rund 55 000 Mark, in der Abt-Version etwa 80 000 Mark wert – das erste Auto, das der heutige Geschäftsführer von Abt Sportsline getunt hat: ein Juwel mit weißen Magnesiumfelgen, extrem breiten Kotflügeln, auffälligem Heckspoiler, Ledersitzen und deutlich sichtbaren Boxen in der Hutablage. Der Charme der Achtziger.

Wir starten auf dem Firmenhof in Kempten-Leubas. Es dauert ein paar Minuten, bis das Gebläse die Scheibe freibekommt. Zeit für Daniel, sich an ein Auto aus einer anderen Ära zu gewöhnen: keine Klimaanlage, nur Schieberegler für warme und kalte Luft, lange Schaltwege und eine Handkurbel fürs Schiebedach. Wenig Komfort, aber dank Abt-Turbolader und 450 statt serienmäßig 200 PS jede Menge Kraft unter der weißen Motorhaube. Stärke, die man hört und spürt. Auf der B 19 Richtung Süden beschleunigt Daniel und ist begeistert: „Der geht ja gar nicht schlecht.“

Frischer Schnee Anfang Oktober in den Allgäuer Alpen im Hintersteiner Tal, am Tag zuvor hatten Motorradfahrer kurz vor Oberjoch am Aussichtspunkt Kanzel Herbstsonne und Aussicht genossen

Frischer Schnee Anfang Oktober in den Allgäuer Alpen im Hintersteiner Tal, am Tag zuvor hatten Motorradfahrer kurz vor Oberjoch am Aussichtspunkt Kanzel Herbstsonne und Aussicht genossen

Hinter Waltenhofen verlassen wir die Bundesstraße und lassen es gemütlich angehen. Am idyllisch gelegenen Niedersonthofener See, an dem der 19-Jährige und seine Freunde sich am Wochenende zum Baden treffen, beginnt ein Stück Bilderbuch-Allgäu: Sanft geschwungen windet sich die Straße gut 200 Höhenmeter den Hang hoch, Balkone mit prall gefüllten Blumenkästen, Schilder, die zum Urlaub auf dem Bauernhof einladen, Pferde, Esel und natürlich Kühe in der hügeligen Landschaft, im Hintergrund die Alpen. Daniel fährt hier gern mit dem Rennrad. Fitnesstraining für einen Leistungssportler, der es in den nächsten drei, vier Jahren in die Formel 1 schaffen möchte.

In Diepolz halten wir kurz am Bergbauernmuseum. Heimatgeschichte zum Anfassen und Erleben, ein Abenteuerspielplatz, Tiere zum Streicheln und Füttern, ein Muss für Familien mit Kindern. Aber nicht unbedingt ein Ziel für einen 19-Jährigen. Der ist am Missener Berg schon eher in seinem Element. Die 2,1 Kilometer nach Wiederhofen mit ihren 8,4 Prozent Steigung waren für seinen Großvater Johann 1952 eine Etappe der Oberallgäuer Bergfahrt. Bis heute treffen sich in Missen einmal jährlich Oldtimerfreunde, um mit ihrem Fahrzeug die Traditionsbergprüfung zu meistern. In Erinnerung an Johann Abt, der bis kurz vor seinem Tod im Herbst 2003 als Rennleiter aktiv war.
Wir fahren Richtung Oberstaufen, kreuzen die B 308, ein Teilstück der insgesamt rund 450 Kilometer langen Deutschen Alpenstraße, und folgen der Route nach Aach. Für die Teilnehmer der Oberallgäuer Bergfahrt mussten in den Fünfzigerjahren die Zollbeamten noch den Schlagbaum öffnen. Jetzt erinnert nur noch die Grenzbäckerei daran, dass wir gleich in Österreich sind. Und es bald wieder verlassen. Kurz vor Balderschwang, einem schönen Ausgangspunkt für Wanderer, Langläufer und Alpinskifahrer, führt ein Bauer seine Kühe über die Straße. Typisch Allgäu. Ein Klischee, das Daniel ein bisschen ärgert: „Beim Allgäu denken die Leute immer zuerst an Kühe, dabei haben wir doch viel mehr zu bieten.“

Daniel Abt mit Vaters Urquattro auf Großvaters Spuren: Die Bergrennstrecke von Missen nach Wiederhofen, auf der heute einmal jährlich Oldtimer fahren, ist Johann Abt gewidmet

Daniel Abt mit Vaters Urquattro auf Großvaters Spuren: Die Bergrennstrecke von Missen nach Wiederhofen, auf der heute einmal jährlich Oldtimer fahren, ist Johann Abt gewidmet

Zum Beispiel eine der größten Skiflugschanzen der Welt. Die nach dem Skispringer und Architekten Heini Klopfer benannte Anlage südlich von Oberstdorf kennt Daniel nur vom Hörensagen. Wie auch den Audi-Werbespot, in dem der Rallyefahrer Harald Demuth 1980

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