Die schönste Pfütze der Welt


Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Neusiedler See ist durchschnittlich 1,50 Meter tief. Doch für Naturliebhaber, Partygäste und Wassersportler hat er die Größe eines Weltmeeres.

Als Elke Schmelzer eine Luke in ih­rem Hochsitz aufklappt, öffnet sich eine Welt wie aus einem Grzimek-Tierfilm. „Das ist mein Fenster nach Afrika“, sagt sie. Sonnenlicht fällt auf grün leuchtendes Steppengras, mittendrin weiden Graurinder mit riesigen Hörnern. Am Himmel kreist ein Seeadler. Die Ran­gerin im beigefarbenen Tropenhemd deu­tet auf die Aussicht: Ja, das könnte die Se­rengeti sein. Dabei liegt dieser Ort so jenseits von Afrika, wie es nur geht: Elke Schmelzers Revier befindet sich im Natio­nalpark Neusiedler See – Seewinkel, etwa eine Autostunde südöstlich von Wien. Die 38-Jährige ist Chefin des Outdoor-Teams in der St. Martins Therme & Lodge am Rande des Parks. Seit der Eröffnung des 4-Sterne-Hotels vor zwei Jahren geht sie mit Gästen auf Safari und stellt ihnen die burgenländischen „Big Five“ vor: Ne­ben Rindern und Seeadlern streifen Was­serbüffel, Urwildpferde und Goldschakale durchs Gelände. Dazu kommen 300 Vogel­arten, die in dem bis zu fünf Kilometer breiten Schilfgürtel brüten oder auf Lang­strecken eine Pause einlegen. Sogar die südrussische Tarantel fühlt sich am Neu­siedler See heimisch.

Dieser Artenreichtum ist einer der Gründe, warum die Unesco den See und sein Umland 2001 zum Welterbe erklärt hat. Ein Tierparadies, das vor rund 13 000 Jahren entstand: Durch Absenkung der Erdkruste bildete sich ein Becken, das bis heute zu 80 Prozent von Regenwasser ge­speist wird und somit zur seltenen Katego­rie Steppensee gehört. Der Wasserstand ist wetterabhängig, liegt durchschnittlich ge­rade mal bei 1,50 Meter. Die Österreicher nennen den See deswegen liebevoll „Pfüt­ze“, obwohl er mit einer Gesamtfläche von 320 Quadratkilometern der größte des Landes ist. Bei lang anhaltender Trocken­heit könnte er theoretisch austrocknen. Ende des 19. Jahrhunderts ist das zum letz­ten Mal passiert. „Für eine Wiederholung müsste es mehrere Jahre in Folge extrem wenig regnen“, sagt Schmelzer, „diese Sai­son sieht es aber gut aus.“

 Text: Anna Butterbrod

Die ganze Geschichte zum Neusiedler See lesen Sie im aktuellen ADAC Reisemagazin ab Seite 32.

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.