So klingt die Ostsee


Aus der Ostseeregion haben sich viele Musiker in Großstädte verabschiedet – unter anderem nach Berlin –, um an ihrer Karriere zu arbeiten. Auffällig ist, dass sich neben den Plattdeutschen Mundartkünstlern auch sehr viele Musiker dieser Region der deutschen Sprache verschrieben haben, sei es jetzt Schlagermusik oder Hip-Hop. Dazu kommen noch zahlreiche Musikfeste wie die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und das Schleswig-Holstein Musikfestival in verschiedenen Orten. Musikalische Hauptstädte sind Rostock, Lübeck und Kiel.

1. De Plattfööt (Rasender Roland)

„De Plattfööt“ besteht aus Klaus-Dietrich „Dick’n“ Lass (Warnemünde) und Peter Wilke (Schwerin), beide ursprünglich aus der Hansestadt Rostock. Schon zu DDR-Zeiten zogen die beiden Musiker seit der Bandgründung 1979 durchs Land. Sie begeistern nicht nur die Fans in den Platt sprechenden Regionen, sondern auch in Singapur oder Österreich. Im Lied „Rasender Roland“ geht es um die besonders bei Touristen beliebte Schmalspurbahn auf Rügen, die von Putbus an der Südküste nach Göhren an der Ostküste fährt und die Seebäder verbindet.

2. Gülcan Kamps mit Mustafa Sandal (Aya Benzer)

Die deutsche Fernsehmoderatorin türkischer Abstammung Gülcan Karahanci hat in Lübeck das Licht der Welt erblickt. Durch die Hochzeit mit Sebastian Kamps, dem Sohn des Gründers der gleichnamigen Großbäckerei, änderte sie ihren Namen. Alle konnten an den Hochzeitsvorbereitungen in einer umstrittenen Fernsehserie teilhaben. Fernsehmoderatorin wurde Gülcan durch ein Casting, an dem sie sich beteiligte, weil sie nicht direkt fürs Studium genommen wurde. 2003 hat sie sich auch als Sängerin versucht beim türkischen Pophit „Aya Benzer“ zusammen mit Mustafa Sandal. Sie schafften es in den deutschen Singlecharts immerhin bis Platz 8.

Das Musikvideo „Aya Benzer“ (wie der Mond) mit Gülcan Kamps und Mustafa Sandal.

3. Marteria mit Peter Fox (Sekundenschlaf)

Der deutsche Rapper „Marteria“ wurde in Rostock unter dem bürgerlichen Namen Marten Laciny geboren. Als Sohn einer Lehrerin und eines Seefahrers war sein großes Hobby Fußball. Er spielte in der Jugendmannschaft des F.C. Hansa Rostock und schaffte es unter Horst Hrubesch sogar in den U-17-Kader der Fußballnationalmannschaft. Diese Karriere war passé, als ihn ein Model-Scout entdeckte. Nach diesem Ausflug in die weite Welt der Modebranche widmete er sich der Musik. Auf der einen Seite mit einer technisch erhöhten Stimme als „Marsimoto“ und in seiner normalen Stimmlage als Marteria. Unter diesem Namen hat er jetzt mit dem erfolgreichen Musiker Peter Fox das Lied „Sekundenschlaf“ aufgenommen.

4. Christof Stein-Schneider (Fury in the Slaughterhouse: When I’m dead and gone)

Christof Stein-Schneider kam in der Hansestadt Lübeck zur Welt. Als ältestes von vier Geschwistern einer Pastorenfamilie lernte er Gitarre und gründete dann mit den anderen Bandmitgliedern zusammen „Fury in the Slaughterhouse“, die bewusst nicht auf den Stil der „Neuen Deutschen Welle“ in den 80ern setzte, sondern auf englische Texte. Damit schafften es die Musiker mehrfach in die Charts und erspielten sich eine große Fangemeinde. „When I’m dead and gone“ war einer ihrer größten Hits.

5. Hanne Haller (Samstag Abend)

Hanne Haller wurde als Tochter einer Opernsängerin und eines Bankkaufmanns in Rendsburg geboren. Ihren ersten großen Singleerfolg „Samstag Abend“ produziert sie mit hohem technischen Aufwand in ihrem eigenen Studio. Hanne Haller hat auch sehr viel im Hintergrund gearbeitet und Songs für andere Künstler geschrieben, die Gruppe „Wind“ entdeckt und 1986 den Song zur Fernsehlotterie komponiert. Im Jahr 2005 stirbt Hanne Haller an den Folgen ihrer Krebserkrankung.

Hier können Sie das Musikvideo zum Song „Samstag Abend“ sehen.

6. Sebastian Lohse (Das Brunnenlied)

Sebastian Lohse stammt aus Wolgast. Der Musiker, Sänger und Komponist hat unter anderem Flöte, Klarinette, Gitarre und Klavier gelernt, besitzt ein eigenes Tonstudio und arbeitet nicht nur als Musiker, sondern auch als Schauspieler. Er transportiert derzeit zusammen mit der Band „Die Feine Gesellschaft“ politische und satirische Lieder der 1920er-Jahre in die heutige Zeit. Auf Tour wird wie damals sich gekleidet und gesungen, wie zum Beispiel beim „Brunnenlied.“

7. Jürgen Drews (Ein Bett im Kornfeld)

Jürgen Drews, geboren in Nauen (Brandenburg), hat seine Jugend in Schleswig verbracht und vier Semester Medizin in Kiel studiert. In Deutschland war er neben seiner Schlagerkarriere auch als Sänger der „Les Humphries Singers“ erfolgreich. Sein größter Hit war 1976 „Ein Bett im Kornfeld“, der es auf Platz 1 der deutschen Singlecharts schaffte. Beruflich hat er auf „der Deutschen liebsten Ferieninsel“ Mallorca viel zu tun, denn die Urlauber wollen in den entsprechenden Locations mit guter Laune versorgt werden.

8. Pyranja (Nie wieder)

Anja Käckenmeister aus Rostock hat sich getraut, in eine Männerdomäne vorzustoßen. Sie ist eine der wenigen deutschen Rapperinnen, die es auch noch in die Charts geschafft hat. Wie viele der anderen Musiker, die in Mecklenburg-Vorpommern geboren sind, zog auch sie weg, um musikalisch erfolgreicher zu sein. Die idealen Voraussetzungen fand sie in Berlin. Inzwischen verdient sie nicht nur als Rapperin ihr Geld, sondern auch mit einer wöchentlichen Radioshow bei Radio Fritz in Berlin (Mittwoch ab 20 Uhr).

9. Gerd Christian (Sag ihr auch)

Der deutsche Schlagersänger Gerd Christian ist als Gerd-Christian Biege in Greifswald geboren worden. Auch er ging wegen der Musik nach Berlin. Zuerst lernte er etwas „Anständiges“, nämlich Zimmermann, wurde schließlich aber offiziell als Musiker in der damaligen DDR anerkannt. Der Mann von der Ostsee hatte seinen großen Solo-Hit im Jahr 1979 mit „Sag ihr auch.“ Auch im Westen war der Song zu hören, denn er wurde sehr gerne gecovert (neu aufgenommen), wie zum Beispiel von Bernhard Brink oder den Kastelruther Spatzen.

10. Eddy Marron (Smoke gets in your eyes)

Der Gitarrist wurde in Anklam geboren. Eddy Marron war lange Zeit Mitglied beim Jochen Brauer Sextett. Er spielt bei seinen Solokonzerten Stücke aus der Jazz- und Rockmusik. Schon seit 1976 hat er Deutschland den Rücken gekehrt und lebt in Den Haag, gibt bei uns jedoch sein musikalisches Wissen an der Hochschule für Musik in Köln weiter.

Text: Chris Baumann

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