So klingt Baden-Württemberg


Eine „musikalische Hauptstadt“ gibt es in Baden-Württemberg nicht. Stuttgart, die Landeshauptstadt, ist natürlich prägend, allerdings auch Mannheim mit der Pop-Akademie, auf der angehende Musiker seit 2003 das nötige Handwerkszeug für das Musikbusiness erlernen können und dann mit dem „Bachelor of Arts“ abschließen. Sängerinnen, Sänger und Bands stammen aus den unterschiedlichsten Städten und haben sich von dort zum Teil erfolgreich in die Hitparaden gesungen. Die vertretenen Musikstile in Baden-Württemberg reichen von der Volksmusik über Schlager, Jazz, Neue Deutsche Welle, Hip-Hop, Pop bis zum Rock.

Hier die Top 10 des Bundeslandes zusammengestellt von Radio BAYERN 3-Chartmann Chris Baumann.

1. Xavier Naidoo feat. Naturally 7 – „Wild vor Wut“

Xavier Naidoos Karriere führte vom Kirchenchor über Musicals in Mannheim und Hockenheim (das man normalerweise eher mit der Formel 1 verbindet) in die Charts. Der in Mannheim lebende Musiker ist vielfach aktiv, sei es jetzt solo, als Gründungsmitglied der Band „Die Söhne Mannheims“ oder als Mitinitiator der Mannheimer Pop-Akademie, an der er sein umfassendes Wissen weitergibt.
„Wild vor Wut“, den Titelsong zum 3-D-Animationsfilm „Konferenz der Tiere“, singt er zusammen mit der A-Capella-Formation „Naturally 7“. Der sozial engagierte Sänger schreibt häufig Lieder mit christlichem und sozialkritischem Inhalt und wendet sich entschieden gegen Fremdenhass, den er in der Schule wegen seiner dunkleren Hautfarbe in Form von Hänseleien selbst erlebt hat.

2. Hubert Kah – „Sternenhimmel“

Die Neue Deutsche Welle in den 1980er-Jahren brachte skurrile Musiker und Bands hervor, wie zum Beispiel Hubert Kah. Er fiel wie viele NDW-Stars durch seine Bühnenoutfits auf: bevorzugt in Zwangsjacke oder Nachthemd. Im Video zu seinem bekanntesten Hit „Sternenhimmel“ kamen dann auch noch orange Strümpfe dazu. Die Inspiration zu diesem Lied kam dem aus Reutlingen stammenden Sänger bei einer Pause auf dem Heimweg von der Plattenfirma in Frankfurt. Hubert musste ganz dringend auf die Toilette, kein Rasthaus weit und breit, er hielt deshalb am Straßenrand an und sah den glasklaren Sternenhimmel über sich. Ein Blick – ein Lied.

3. Jackson Browne – „Lawyers in Love“

Der Amerikaner Jackson Browne ist in Heidelberg als Sohn eines Zivilangestellten der US-Army geboren worden, jedoch kehrte er noch im Kleinkindalter mit seinen Eltern zurück in die USA. Mit 18 Jahren war er für ein paar Monate Mitglied bei der „Nitty Gritty Dirt Band“, die einige Songs, die er während dieser Zeit geschrieben hatte, später auf ihren ersten beiden Alben verwendeten.Viele seiner Songs waren in Amerika Top-20-Hits. Bei uns in Deutschland liefen sie auf dem Radiosender der amerikanischen Streitkräfte (AFN) und bei den deutschsprachigen Radiostationen in den Regionen mit vielen amerikanischen Soldaten. Einer der Klassiker ist „Lawyers in Love“.

4. Cassandra Steen feat. Adel Tawil – „Stadt“

Die Sängerin ist in Ostfildern geboren und auf einem amerikanischen Armeestützpunkt in Stuttgart aufgewachsen. Die 1,88 Meter große Musikerin ist komplett zweisprachig aufgewachsen, da in ihrer Familie nur Englisch gesprochen wurde. In den ersten Jahren ihrer Karriere sang sie bei der deutschen Soul-Hip-Hop-Band „Glashaus“. Inzwischen ist sie auch solo erfolgreich. Einen richtigen Ohrwurm hat sie mit Adel Tawil gesungen: „Stadt“, der es bis Platz 2 der deutschen Singlecharts schaffte.

5. Die Fantastischen Vier – „Danke“

Die Ohren von uns Radiomusikredakteuren hörten 1992 einen Sound, der neu war: Hip-Hop auf Deutsch. Die Fantastischen Vier aus Stuttgart sangen, oder besser gesagt, rappten sich direkt auf Platz 2 der deutschen Singlecharts mit „Die da?!“. Kaum zu glauben, dass Smudo (Michael Bernd Schmidt), Hausmeister Thomas D (Thomas Dürr), Michi Beck und And.Ypsilon (Andreas Rieke) ihren ersten Auftritt in einem ehemaligen Kindergarten hatten, vor 40 Zuhörern auf einer Bühne, die sie selbst aus Paletten zusammengezimmert hatten. Im Jahr 2000 nahmen die vier Hip-Hopper als zweiter deutscher Act nach Herbert Grönemeyer ein „MTV unplugged“ auf. Sie sind bis heute erfolgreich geblieben, und mit der Single „Danke“ haben sie wieder mal einen Ohrwurm geschaffen.

6. Münchner Freiheit – „Ich steh auf Licht“

http://www.myvideo.de/movie/5819413

Die Band „Münchner Freiheit“ ist zwar 1980 in München gegründet worden, aber die Mitglieder sind alle nicht in München geboren. Zwei von ihnen kommen aus dem Ländle. Gründungsmitglied und Gitarrist Aron Strobel erblickte in Schwäbisch Gmünd das Licht der Welt, Bassist und Sänger Michael Kunzi kommt ursprünglich aus Stuttgart. Das Lied „Ich steh auf Licht“ war zwar nie in den Charts erfolgreich, ist und bleibt aber einer der Kultsongs, die auch heute noch ab und zu im Radio, auch in BAYERN 3, als Kult-Klassiker zu hören sind.

7. Pur – „Lena“

Zum Video

Pur hat sich von der 42.000 Einwohner zählenden Stadt Bietigheim-Bissingen in viele deutsche Wohnzimmer gespielt. Die Fangemeinde ist seit der Bandumbenennung in Pur im Jahr 1985 immer größer geworden. Jubelnde Fans, ausverkaufte Hallen und Gänsehaut sind der Band und den Fans bei den Konzerten garantiert. Ähnlich wie die Rolling Stones oder Bon Jovi sind Pur eher sogenannte Albumkünstler. Die Fans kaufen in erster Linie die Alben, die Singles sind zweitrangig. Die Band hatte bisher sieben Alben an der Spitze der Charts in Deutschland, allerdings erreichte die Top-Position nur eine Single (Ich denk an Dich). Einer der mitreißendsten Hits von der Band um Sänger Hartmut Engler ist ihre erste Chartsingle aus dem Jahr 1991 „Lena“.

8. Max Mutzke – „Can’t Wait Until Tonight“

Der Sänger aus Waldshut-Tiengen begann seine Karriere bei einer Funk-Band. 2004 änderte sich sein Leben, er wurde von einem Freund zu Stefan Raabs „Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star“ angemeldet und gewann, obwohl der Musiker gar keine Lust zu so einer Castingshow hatte. Mit „Can’t wait until tonight“ sang er sich in die Ohren der Deutschen und kam bis Platz 1 der Singlecharts. Beim darauf folgenden Eurovision Songcontest holte er immerhin einen achten Platz. Bei der Entscheidung zu „Unser Star für Oslo“ im Jahr 2010 hat er als Co-Autor einen der Finalsongs beigesteuert, „I care for you“ gesungen von Jennifer Braun.

9. Peter Schilling – „Major Tom“

Der in Stuttgart geborene Reisebürokaufmann gehört ebenso zur NDW-Zeit (Neue Deutsche Welle) wie Nena, UKW oder der auf Platz 2 meiner Charts liegende Hubert Kah. Mit diesem und dem Produzenten Michael Cretu (Ex-Mann von Sängerin Sandra, bekannt durch „Maria Magdalena“) hatte Peter Schilling den Disco-Hit „The different story“. Sein größter Erfolg, auch international, bleibt allerdings sein Nummer-1-Hit „Major Tom (Völlig losgelöst)“ aus dem Jahr 1983. Peter Schilling singt in seinen Liedern gerne über Dinge, die mit Science-Fiction oder der Raumfahrt zu tun haben.

10. Stefan Waggershausen – „Hallo Engel“

http://www.myvideo.de/movie/6645946

Für viele ist er ein Berliner, aber dort lebt er erst seit seinem 22. Lebensjahr. Geboren und aufgewachsen ist der Liedermacher in Friedrichshafen. Eine Zeitlang war Stefan Waggershausen ein Kollege. Der Musiker arbeitete beim damaligen Sender Freies Berlin und dem RIAS in Berlin als Moderator. Nebenbei war ihm schon immer wichtig, selbst Musik zu machen. 1981 wurde sein Lied „Hallo Engel“ mit dem ältesten deutschen Fernseh-Musikpreis, der „Goldenen Europa“, ausgezeichnet.

Neuerscheinung: Söhne Mannheims

Am 13. Mai erscheint das neue Album „Barrikaden von Eden“ der 14-köpfigen Band. Die erste Single-Auskopplung der Söhne Mannheims heißt „Ist es wahr“.

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