Hier ist der Bär los


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Im Trentino leben rund 35 Tiere der Art Ursus arctos. Unsere Autorin machte sich unerschrocken auf die Suche nach ihnen. Und fand eine Welt aus Märchenwäldern

Hier kommen sie vorbei. An dieser Fichte am Steilhang, wo zwei Trampelpfade im dichten Unterholz erkennbar sind. Die beiden Wege vereinen sich und führen weiter durch unwegsa­mes Gelände den Berg hinauf. „Tren­tiner Wildnis“, sagt Claudio Groff und dreht mit der Schuhspitze morsches Holz um. „Einen Menschen sehen Sie hier selten.“ Aber was heißt das: Hier kommen sie vorbei? Folgen Bären etwa festen Routen? „Nun ja, sie verschwenden keine Ener­gie. Wenn sie hier hinaufwollen, dann nehmen sie diesen Steig. Und an dem Baum hier scheuern sie sich, um den anderen Artgenossen Informationen zu hinterlassen – so kommen wir an die Haare.“ Er zeigt auf den Stacheldraht, der um den Stamm gewunden ist.

Claudio ist ein gro­ßer­, schlaksiger Mann, Jurist, tauschte aber aus leidenschaftlichem Interesse an den Bären für drei Jahre den Schreibtisch in der Provinzverwaltung gegen die Uniform eines Naturparkwächters. Inzwische­n ist er als Bärenexperte zurück in der Forstverwaltung, wo er aber keinen reinen Bürojob hat: Gerade sucht er den Draht am Baumstamm nach braunen Haaren ab. „Nichts. Bei dir, Gilberto?“

Ein paar Meter weiter hockt Gilberto Volcan, Tierarzt und Wildhüter im Naturpark Adamello-Brenta. Der Kollege beugt sich über einen weiteren Draht, der um einen Duftköder aus Tierblut und faulem Fisch gespannt ist. Aber auch daran findet sich keine Spur von Bärenfell. Haare sind das wertvollste Material für das „genetische Monitoring“. Die Genanalyse der Spuren ermöglicht es, erstaunlich gut über die Tiere Bescheid zu wissen, ohne sie stören oder sehen zu müssen: Die Haare verraten, wo sie herumstreifen, welches Weibchen – im Januar, wenn sie werfen – wie viele Jungen zur Welt gebracht hat, welches Männchen der Herr im Wald ist. Dieses Wissen ist Ergebnis eines faszinierenden Projekts: Als in den Neunzigerjahren die Bärenpopulation in den Brenta-Dolomiten auf drei, vier altersschwache Tiere geschrumpft war, beschlossen Naturschützer nach einer eingehenden Studie, Bären aus Slowenien anzusiedeln. Zehn Tiere wurden zwischen 1999 und 2002 ausgesetzt, inzwischen ist ihre Zahl auf 35 angewachsen. Im Trentino fühlen sie sich wohl. Anders als etwa im benachbarten Südtirol hat der Mensch die Berge hier weitgehend unberührt gelassen.

Was unsere Autorin Barbara Baumgartner auf der Fährte der Bären noch erlebt hat, lesen Sie im aktuellen ADAC Reisemagazin Trentino.

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