Menschen im Tessin


DIE SCHEINRIESEN

Dominique Vuigner (links) und sein Sohn Joel

Dominique Vuigner (links) und sein Sohn Joel

Die Schweiz ist ein kleines Land – doch für manche nicht klein genug. Dominique Vuigner, 58, und sein Sohn Jöel, 28, haben mitgeholfen, das Land nachzubauen: Im Park Swissminiatur stehen auf einer Fläche von knapp zwei Fußballfeldern mehr als 120 berühmte Bauwerke wie Burgen, Bauernhöfe und Brücken – alle 25-mal kleiner als in natura. Durch diese Fantasiewelt fahren Schiffe, Zahnradbahnen und ein Nachbau des Glacier Express. Auf die Idee kam Dominiques Vater Pierre, als er eine ähnliche Anlage in Den Haag besuchte. 1959 gründete er sein Liliput in Melide. „Für meinen Vater war das nur ein Geschäft, heute steht der Park im Zentrum unserer Familie”, sagt Dominique Vuigner, hier am Fuß des drastisch geschrumpften Bergs Jungfrau. Ein Bastler ist er trotz allem nie geworden. „Um den Aufbau kümmern sich mein Sohn (oben im Bild) und mein Bruder, ich bin auf diesem Gebiet eine Katastrophe und mache alles kaputt.”

DIE RADIO-AKTIVE

Sandy Altermatt

Sandy Altermatt

Heimat könnte ein schwieriges Thema sein für eine Frau, die durch die Welt zu schweben scheint. Unser Foto zeigt Sandy Altermatt auf dem San Salvatore mit Blick auf den Luganer See. Geboren in Zürich, zog sie bald mit ihrem deutsch-schweizerischen Vater und ihrer ägyptischen Mutter ins Tessin. „Nach der Schule wollte ich andere Länder sehen”, sagt Altermatt. Für den Starfotografen Michel Comte arbeitete sie in New York und Paris. Auch in Portugal und Guatemala verbrachte sie längere Zeit, um Sprachen zu lernen und als Reiseleiterin zu jobben. Und trotzdem kehrte sie vor zehn Jahren zurück. „Richtig zu Hause fühle ich mich nur, wenn ich den Luganer See und die Berge Monte Brè und San Salvatore sehe”, sagt die 42-Jährige. Ihre Weltgewandtheit nutzt sie nun für den Schweizer Radio- und Fernsehsender RSI. Sie moderiert dort Musiksendungen und Liveshows, meist auf Italienisch, manchmal auf Deutsch oder Französisch. Beim Jazzfestival in Lugano interviewt sie dann auch mal Musiker auf Englisch, Spanisch oder Portugiesisch. „Ich hatte einfach Glück, mit so vielen Sprachen aufzuwachsen”, sagt Altermatt. So fühlt sie sich überall wohl – bleibt aber fest im Tessin verwurzelt.

DER FESTMACHER

Marco Solari

Marco Solari

Früher war er ein viel fliegender Topmanager, heute lädt Marco Solari die Welt ins Tessin ein. Der gebürtige Berner besuchte als Kind seine Großeltern im südlichen Kanton, nach dem Studium wuchs sein Aktionsradius: Er arbeitete für den Reisekonzern Kuoni in Bangkok, Rio de Janeiro, auf den Kanaren und saß für den Medienriesen Ringier im Vorstand. Seit 2007 ist Solari Präsident von Ticino Turismo, seit 2000 Präsident des Filmfests von Locarno. „Ich war seit früher Jugend ein eifriger Kinogänger, mit Vorliebe für thematisch Schwieriges”, sagt er, „in der Welt des Films finden Sie alles: Starlets und Genies.” Nach Locarno zieht es traditionell Letztere, von Claudia Cardinale, Harrison Ford und Gérard Depardieu bis Literaturnobelpreisträger Dario Fo. Auf der Piazza Grande, wo Solari auf unserem Foto steht, werden sich auch im August 2012 wieder 6000 Menschen vor einer Leinwand versammeln, um das 65. Filmfest zu feiern. Und danach? „Meine Frau fragte mich kürzlich, wann meine kontemplative Lebensphase beginnt”, sagt der 67-Jährige, „ich blieb ihr die Antwort schuldig.”

DER MUSIKDIREKTOR

Franco Ambrosetti

Franco Ambrosetti

Wie wichtig Improvisieren ist, erfahren viele Ökonomen im Kampf gegen die Eurokrise. Franco Ambrosetti lebt in der Schweiz, fernab der europäischen Gemeinschaftswährung. Doch lernte er das Improvisieren spielend – und das vor Jahren. Der Wirtschaftswissenschaftler aus Lugano leitete nicht nur das Stahl-Familienunternehmen, sondern auch Musikgruppen. Er war zugleich Präsident der Tessiner Handelskammer und gefeierter Trompeter. 1985 wählte ihn der italienische Sender Rai zum besten Jazzmusiker Europas. „Wenn man künstlerisches Talent hat, liegt der Weg zum Erfolg in der Organisation der Zeit”, sagt der 70-Jährige, hier im Parco Ciani. „Geprägt hat mich die Verbindung von italienischer Kultur und Schweizer Eigenschaften wie Präzision und liberales Denken.”

DAS MARMOR-, STEIN- UND EISEN-PAAR

Alex Naef (rechts) und seine Frau Almute

Alex Naef (rechts) und seine Frau Almute

Sie helfen dem Tal, seine Identität zu bewahren, und doch sind sie keine normalen Bewohner. „Wir fühlen uns hier sehr wohl im Bergdorf Peccia, aber trotzdem empfinden wir uns als Gäste”, sagt Alex Naef. Schon als 18-Jähriger war er während seiner Lehre als Steinbildhauer erstmals ins Maggiatal gekommen, wo der einzige Marmorsteinbruch der Schweiz liegt. Als er 1987 gerade sein Studium der Kunstpädagogik in Deutschland abschloss, lud ihn ein Freund zum Aufbau einer Bildhauerschule nach Peccia ein. „Das war eine einmalige Gelegenheit, weil hier seit Jahrhunderten Kunstwerke aus Marmor geschaffen werden”, sagt der 58-Jährige. Unter seinen Studentinnen war irgendwann auch eine Frau aus Baden-Württemberg. „Wir mochten uns von Anfang an, aber richtig gefunkt hat es erst drei Jahre später”, erinnert sich Almute, die seit der Hochzeit ebenfalls Naef heißt. Die 39-Jährige hilft nun mit, Ateliers und Schule weiter auszubauen. Dort unterrichten inzwischen 30 Künstler und Dozenten, die auch Kurse in Metallarbeit, Zeichnen oder Kunstgeschichte geben. Am wichtigsten bleibt jedoch die Bildhauerei – und die Kunst, Marmor, Stein und Eisen zu brechen.

DIE GRENZ-GÄNGERIN

Sara Migliorati

Sara Migliorati

„Cognac, Tabak, Haschisch?”, fragt die Zöllnerin mit strenger Miene. „Danke, brauche ich nicht, aber ein Tee wäre jetzt das Richtige”, antwortet die Dame im Auto. Diesen alten Witz kennt auch Sara Migliorati, 33, Korporal des Schweizer Grenzwachtkorps, aber passiert ist ihr das noch nicht. Dafür vergeht der gebürtigen Tessinerin regelmäßig das Lachen, unter anderem ertappte sie dreimal Drogendealer am Flughafen Lugano-Agno. Die Schweiz mit ihrem Bankgeheimnis ist zudem ein beliebtes Ziel unangemeldeter Geldtransporte, und das Tessin hat die längste Außengrenze aller Kantone. Auch in Bergdörfern wie hier in Fornasette am Übergang zu Italien hat Migliorati Aufgaben zu erledigen: Die Verkehrsdichte ist dort so gering, dass Beamte nicht immer vor Ort sind. Dann müssen Reisende ihre Waren selbst deklarieren und die Papiere in den Briefkasten mit der Aufschrift „Dichiarazione Scritta” einwerfen. Einmal pro Woche leeren ihn Migliorati und ihre Kollegen und sammeln pro Monat etwa 120 Deklarationen. „Wer kein Formular ausfüllt, muss hohe Strafen zahlen”, warnt Migliorati.

DER TEEORETIKER

Peter Oppliger

Peter Oppliger

Abwarten und Tee trinken ist nichts für Peter Oppliger – jedenfalls abwarten nicht. Der ehemalige Apotheker und Spezialist für Natur- und Pflanzenheilkunde aus Luzern ist ein Pionier. Vor sechs Jahren begann er ein Experiment auf den Brissago-Inseln im Lago Maggiore. Dort erprobte er, ob in diesen Breitengraden Tee wächst. Nach den Inselversuchen gelang es ihm, auf dem Monte Verità oberhalb von Ascona die einzige Teeplantage Kontinentaleuropas mit Teehaus und Museum einzurichten (Foto). „Die 3000 Pflanzen bringen mir einen Jahresertrag von fünf bis zehn Kilo”, sagt der 71-Jährige. Doch sei dies nicht das Entscheidende. „Ich möchte Interessierten zeigen, wie Tee angebaut wird, und mit ihnen über die gesundheitsfördernde Wirkung des grünen Tees philosophieren.”

DIE BALLKÖNIGIN

Miranda Graf

Miranda Graf

Minigolf klingt für manche so sportlich wie Murmeln, aber Miranda Graf sieht das anders. Was viele nur als Freizeitspaß wahrnehmen, wurde für sie zum Leistungssport. 1991 gewann sie in Oslo den ersten Weltmeistertitel der Frauen in dieser Disziplin. Dabei hatte sie einen Vorteil: Schon im Alter von zehn Jahren trainierte sie auf der ältesten Anlage der Welt (Foto), die am 19. März 1954 in Ascona eröffnet wurde und sich damals im Besitz ihrer Eltern befand. Heute lebt Graf mit ihrer elfjährigen Tochter in Liestal bei Basel und spielt nur noch bei Clubturnieren. Dennoch zieht es die 42-Jährige immer wieder zurück in die alte Heimat. „Dort hab ich viel Sonne, fröhliche Menschen, Palmen und den See” – und sie hat die alte Bahn, auf der sie einst zur besten Minigolferin der Welt heranwuchs.

DIE HÜTERIN DER KORNJUWELEN

Agnese Z'graggen

Agnese Z’graggen

Wer Agnese Z’graggens Umgang mit Kürbissen etwas eigen findet, der sollte erst mal ihre Arbeiten mit anderem Gemüse sehen. Die 45-Jährige ist Food-Designerin und setzt Essen in Szene. Bei ihrem Projekt „Juwelen für eine Nacht” entwirft sie etwa Schmuck aus Lebensmitteln: Halsketten aus Chicorée oder Ringe aus Blumenkohl. Die Idee dazu kam ihr in Mailand. Dort jobbte sie im Restaurant der Köchin und Pflanzenkennerin Meret Bissegger. „Da entdeckte ich die Schönheit der Natur und sah Gemüse plötzlich als Kunst.” Manche ermahnten sie, sie solle nicht mit Essen spielen. „Das verstehe ich, aber ich versuche ja mit meiner Arbeit zu zeigen, wie wichtig Lebensmittel und Natur sind.” Umso bodenständiger bleibt sie dafür beim Lieblingsessen: Es ist die Polenta ihrer Großmutter.

DIE ÜBERBRÜCKERIN

Samantha Bourgoin

Samantha Bourgoin

Die Brücke ist ein Symbol für das Leben von Samantha Bourgoin, denn die 40-Jährige lebt in zwei Welten: im städtischen Trubel, den sie im Winter als Mitorganisatorin des Eislauffests „Locarno on Ice” und im Sommer mit dem Festival „Jazz Ascona” noch anheizt. Und in der Einsamkeit der Natur, die sie als Direktorin des Projekts Nationalpark im Locarnese schützen will. Bourgoin und ihre Mitstreiter arbeiten daran, ein 35 Kilometer langes Naturschutzgebiet zu schaffen, das von den Palmen der Brissago-Inseln über die Schluchten des Centovalli (Foto) bis in die vereisten Berge des hohen Maggiatals reichen soll. „Für mich gehören meine Jobs alle zusammen”, sagt Bourgoin, „ich helfe ja immer den Menschen – mit Kultur oder eben mit gesunder Natur.”

Hier geht die Post ab


Wer das Tessin im Linienbus erkundet, hat einen großen Vorteil: Er kann permanent aus dem Fenster schauen. Drei Ausflüge
im schönsten öffentlichen Verkehrsmittel der Welt.

Der Bus von Piora nach Piotta passiert das Örtchen Altanca.

Der Bus von Piora nach Piotta passiert das Örtchen Altanca.

Die Heilkraft des Wassers lockte einst reiche Mailänder an diesen Ort, der wie das Ende der Welt wirkt. In einem vier mal zwei Meter großen Becken schimmert Thermalwasser. Dampf steigt auf und verliert sich unter einer niedrigen Decke, die von Spuren des Verfalls gezeichnet ist. Einige Marmorwannen erinnern noch an die noble Vergangenheit der 1812 erbauten Bagni di Craveggia. Die bessere Gesellschaft ließ sich früher in Sänften hier hinauf ins Valle Onsernone tragen, um zu kuren. Heute reisen Abenteurer und Esoteriker mit dem Postauto an.
Andernorts wäre ein Linienbus nicht das Verkehrsmittel erster Wahl für Individualisten: feste Fahrpläne, rumpelndes Fahrwerk, plüschige Polyestersitze. Doch die Schweizer Busse, genannt Postautos, sind mehr als nur Teil des öffentlichen Nahverkehrs: Sie sind ein Schweizer Kulturgut. Ihre Hupsignale erklingen in einer Tonfolge aus der Oper „Wilhelm Tell“. Und sie erschließen selbst geheime Plätze wie die 1951 von einer Lawine zerstörten Bagni di Craveggia. Von der Station in Spruga bis zu den Ruinen geht man zu Fuß 40 Minuten. Oben angekommen, baden Gäste in handwarmem Thermalwasser inmitten einer unheimlich schönen, fast gespenstischen Atmosphäre.
Die Tour zum verwitterten Kurhaus ist die erste von drei Routen in die verstecktesten Winkel des Tessins – mit Postautos. Wer in den gelben Wagen unterwegs ist, deren Abfahrtszeiten minutengenau mit der Schweizer Bundesbahn synchronisiert sind, spürt den Herzschlag dieses Landstrichs.
Etappe eins beginnt am Bahnhof von Locarno mit Warten. Zwei Minuten bevor der Bus ins Onsernonetal starten soll, sind die Türen noch geschlossen. Ist etwa nicht um 10.16 Uhr Abfahrt? Natürlich. Max Walti, 44, schließt die Tür für 20 Fahrgäste auf und lässt pünktlich den Motor an. Auch wenn sie im Süden der Eidgenossenschaft stolz sind auf die italienische Sprache und das dazugehörige Lebensgefühl: Fahrpläne sind den Tessinern heilig.
Kaum fransen die letzten Vororte von Locarno aus, beginnt das zerklüftete Valle Onsernone, das auch als reizvollste Sackgasse der Schweiz gilt. Die Passagiere Trudi Berr, 79, und Hedi Würgler, 86, sind Nonnen des Bethesda-Ordens auf Urlaub. „Gottes Natur ist hier einfach am schönsten“, sagt Trudi. Die beiden Schwestern aus Basel blicken aus dem Fenster nach draußen, wo Weißtannen und Grauerlen wachsen und ab und zu ein paar Häuser zu sehen sind, darunter auch die typischen Rustici aus Naturstein. Die meisten dienen Städtern als Wochenendhäuser, ohne Strom und Wasser. In den acht Dörfern und ein paar Weilern der Gegend leben nur 800 Menschen, verteilt auf 22 Kilometer – von der Talmündung in Intragna bis ins etwa 1000 Meter hoch gelegene Spruga. Früher war das Onsernonetal eine Schmugglergegend, in den Siebzigerjahren kamen die Hippies. Mancher Aussteiger blieb bis heute.
Der Dieselmotor zieht den Bus höher und höher. Die Felsvorsprünge, auf denen die Siedlungen stehen, werden immer enger. Wollte Walti seinen Bus wenden, müsste er dafür bis zur Endstation in Spruga fahren. „Die größte Gefahr sind nicht Steinschläge, sondern die anderen Autofahrer“, sagt der Chauffeur, während seine Husky-Augen konzentriert vorausschauen. Vor jeder unübersichtlichen Kurve betätigt er die Hupe: „Tüt, tüüüt, tüt!“: cis, e, a – wie von Rossini für seine Opernouvertüre über den Schweizer Nationalhelden komponiert. Wer will, kann sich das Postauto-Signal sogar von der Website des Busbetriebs als Handy-Klingelton herunterladen.
Auch wenn die älteren Schwestern Trudi und Hedi dafür keine Verwendung haben, gehören sie zur Postauto-Fangemeinde: „Mit Bus und Bahn kommt man in der Schweiz selbst ins letzte Tal. Das Gepäck kann man sich auch schicken lassen“, sagt Trudi. Wer sich von Walti fahren lässt, hat mehr Gelegenheit, sich einzulassen – auf die Natur, die Menschen, die Schönheit des Tessins im Allgemeinen.
Die zweite Route führt von Lugano zum Monte Generoso. Am Morgen startet der regionale Pendelzug S 10 nach Chiasso. Im Abteil: Reservisten, die in ihrer Uniform kostenlos zu Wehrübungen fahren, überdrehte Schulklassen und gelassene Schweizer. Nervöse deutsche Touristen beruhigen sie mit der Auskunft, dass zum Umsteigen acht Minuten Zeit seien und der Bus Richtung Scudellate an der Haltestelle direkt gegenüber starte.
Der König der Landstraßen ist nicht zu übersehen: sonnengelb, mit weißem Dach und einem riesigen Posthorn an den Flanken. Das Symbol erinnert an die Zeit, als zunächst Kutschen und später Busse Brief- und Paketsendungen sowie Passagiere bis in die hintersten Täler der Schweiz transportierten. Heute arbeitet die Post im Briefverkehr ganz überwiegend mit fließbandtauglichen Plastikkästen. Die Strichcodes der Sendungen werden automatisch eingelesen, unscheinbare Lieferwagen fahren sie zu den Zustellern. Nur in abgelegenen Gebieten nehmen Postautos noch Briefe und Pakete mit. Meistens aber Reisende, mehr als 100 Millionen im Jahr.
Der gelbe Bus lässt die Vororte und Weinterrassen der Grenzstadt Chiasso hinter sich. Immer wieder steigen Fahrgäste aus und ein, insgesamt leeren sich die Sitzreihen. An der Endstation Scudellate, dem letzten Halt im Muggiotal, verlässt eine Handvoll Wanderer den Bus. Auf dem rund zweistündigen Fußmarsch zum Gipfel in 1704 Metern Höhe tauchen sie ein in eine bilderbuchartige Kulisse samt Kastanienhainen, braun gefleckten Kühen und zutraulichen Ziegen.
Kurz vor dem Ziel wird deutlich, warum der Monte Generoso als einer der schönsten Ausflugsberge des Tessins gilt: Die Landschaft öffnet sich und gibt den Blick frei auf den Comer und den Luganer See. Wie verliebte Schmetterlinge tänzeln Paraglider durch die Luft. Extremsportler Francesco Galli, 35, bleibt dagegen am Boden. Der Mann mit den braunen Strubbelhaaren und den dicken Polstern an Knien und Ellbogen fährt gut 1400 Höhenmeter bergab. Auf einem Einrad. Wie gefährlich sein zweistündiger Balanceakt ist, begreift am ehesten, wer die orange-blaue Zahnradbahn Richtung Tal nimmt.
Die Holzwaggons der einzigen Schweizer Schmalspur-Zahnradbahn südlich der Alpen ruckeln 40 Minuten nach Capolago. Teils mit 22 Prozent Gefälle. Nach dem Knochenschütteln ist die Schiffsfahrt über den Luganer See zurück in die Stadt eine einzige Wiegennummer. Das finden auch Mama und Papa Rütschi, die mit ihren Kindern Samuel, 9, Sara, 11, und Daniel, 15, durchs Tessin reisen – ganz ohne eigenes Auto. „Wir fahren immer mit Bus und Bahn in den Urlaub“, erklärt der Vater, „das schont die Nerven und ist günstig, weil man mit der Juniorkarte bis 16 Jahre kostenlos mitfahren kann.“ Wer würde so etwas über den öffentlichen Nahverkehr in Deutschland sagen? Während die Kinder genau beobachten, wie Kapitän Mauro Bertini das Linienschiff an Villen am Ufer vorbeilenkt, lässt sich das Ehepaar Rütschi an Deck den Wind um die Nase wehen und blickt entspannt Richtung Sonnenuntergang.
Die letzte Tagestour führt von Bellinzona ins Bleniotal und über den Lukmanierpass, 1914 Meter hoch gelegen, an der Grenze zu Graubünden. Sie ist die längste der drei. Die Reise beginnt am Bahnhof der Kantonshauptstadt mit einer Zugfahrt ins weiter nördlich gelegene Biasca. Sonnenlicht durchströmt das Abteil, die Burgen der ehemaligen Zollstadt Bellinzona glimmen wie golden lackiert.
Der Bus Nr. 131, der vom Bahnhof in Biasca Richtung Olivone fährt, ist überraschenderweise nicht gelb, sondern braun-grün, weil er von der lokalen Busgesellschaft betrieben wird. Das Gefährt ist ziemlich betagt und schnaubt bei jedem Stopp, an dem Wanderer mit Stöcken und Hausfrauen mit Einkaufstaschen zusteigen. Draußen wandelt sich die Landschaft allmählich. Das liebliche Bleniotal wird mit jedem Kilometer alpiner. Helle Bergdörfer stehen vor einer baumlosen und Ehrfurcht gebietenden Gebirgskette.
Nach dem Umsteigen in Olivone / Posta sind es noch 18 Kilometer bis zum Pass. Die Straße besteht aus aneinandergeklebten Betonplatten. Es holpert. Der Weg bleibt zwar selbst im Winter geöffnet, wird von den Postautos allerdings nur bis Mitte Oktober befahren. Im Sommer sieht das Tessin hier aus wie die Aufbauten einer Modelleisenbahn mit vereinzelten Tannen und kargen Grasflächen. Christian Oliva, 27, blaues Hemd, schwarze Haare, möchte trotzdem nirgendwo anders sein Postauto fahren als „auf der schönsten Strecke der Welt“, wie er sagt: „Ich habe mich extra für die Route zum Lukmanier beworben. Es war gar nicht so einfach, den Job zu bekommen“, verrät der Chauffeur. Er stammt aus dem Süden des Kantons, wohnt aber mittlerweile im Bleniotal. Morgens nimmt er für das Restaurant an der Passstation auch mal ein Stangenweißbrot mit hoch oder am Abend ein Päckchen mit runter. Allerdings selten, denn oben am Pass arbeiten die Menschen nur, sie wohnen im Tal und verschicken ihre Post meist von dort. Das Bleniotal boomt und ist auch dank der Postautos hervorragend angebunden. Seit den Neunzigerjahren sind immer mehr Menschen hierhergezogen. Die meisten der 7000 Talbewohner leben vom Tourismus.
Höhenerfahrene Wanderer wie Rüdiger Schostak, 55, lieben die Gegend. Der Münchner macht sich nach einem Cappuccino im Restaurant auf der Passhöhe mit einer kleinen Gruppe auf den Weg ins Pioratal. Die Region gilt mit ihren 28 Bergseen als eine der schönsten des Tessins. Wer alle seltenen Vögel und Pflanzen am Wegesrand gebührend bestaunen würde, käme nie in den veranschlagten vier Stunden ans Ziel. Neben der Natur ist der Piorakäse eine weitere Attraktion, zum Beispiel bei einer Vesperpause auf der Cadagnohütte. Die Käsesorte gehört zu den berühmtesten der Schweiz und ist außerhalb des Tals schwer zu bekommen. Das Rifugio Lago Ritom ist die letzte Jausenstation, bevor es wieder talwärts geht – und zwar in einer der steilsten Standseilbahnen Europas. Langsam gleitet der feuerrote Kasten mit seinen stehenden Passagieren hinab nach Piotta. Die durchschnittliche Steigung beträgt 71 Prozent – gefühlt ist die Bahn ein ziemlich spektakulärer Panorama-Aufzug, der fast senkrecht ins Tal fährt.
Am Ende der dritten Tour ist klar, dass der kurze, gut ausgeschilderte Fußweg von der Talstation zur Postauto-Haltestelle ruhig, aber nicht zu zögerlich gegangen werden sollte. Noch bevor auf dem Plan nach der Abfahrtszeit geschaut werden kann, biegt schon der gelbe Bus um die Ecke, der zurück Richtung Bellinzona fährt. „Tüt, tüüüt, tüt!“ Cis, e, a. Einsteigen, entspannen, ankommen. Im Tessin ergeben Landschaften, Busse und Bahnen ein Gesamtkunstwerk mit großem Erholungswert.

Autorin: Meike Mai

Nah am Wasser gebaut


An seinen Ufern gedeihen die Immobilienpreise so prächtig wie die subtropischen Pflanzen. Die Schönheit des Lago Maggiore begeistert seit Jahrhunderten Träumer und Investoren. Eine Reise durch Wildnis und Villen an einen Ort der natürlichen Spannungen.

Der Blick von den Brissago-Inseln Richtung Naturschutzgebiet Bolle di Magadino

Der Blick von den Brissago-Inseln Richtung Naturschutzgebiet Bolle di Magadino

Das Haus hat immer noch Stil. Selbst wenn die Auffahrt zum Grandhotel Locarno an der Via Sempione 17, wo einst Staatsmänner und Filmstars unter den Granitsäulen ausstiegen, heute ein trostloser Parkplatz ist. Die Eigentümer um Giancarlo Cotti, einen der mächtigsten Immobilienhändler des Tessins, schlossen das Hotel 2005, um eine „Reflexionspause“ einzulegen. Das macht Olivier Acs, den letzten Concierge des Hotels, wütend. „Ich verstehe, wenn man ein Hotel schließt, das keine Gäste hat“, sagt er. „Aber wir waren für das Filmfestival immer ein Jahr im Voraus ausgebucht, und auch sonst lief es prima.“
Der Zorn von Acs beruht auf einem dieser Widersprüche, von denen es an den Ufern des Lago Maggiore so einige gibt. Die Suche nach diesen Gegensätzen beginnt im Foyer des Grandhotels. Im halbdunklen Raum muffelt es. „Ich könnte heulen“, sagt der ehemalige Hotelmitarbeiter. Es schmerze zu sehen, wie jedes Jahr ohne Gäste an die Bausubstanz des Hauses gehe. Wenn Acs über den drei Stockwerke hohen Kronleuchter spricht – „der weltgrößte aus Muranoglas, dessen Reinigung allein zwei Wochen dauert“ –, klingt es, als rede er vom Familienerbstück. Ein Denkmal der Tessiner und ein wenig auch der Weltgeschichte ist das Grandhotel. Es wurde 1876 eingeweiht, zwei Jahre nachdem die Gotthardbahn das Tessin erreicht hatte – und damit der erste bescheidene Wohlstand. 1925 ebneten hier die Siegermächte des Ersten Weltkriegs Deutschlands Weg in den Völkerbund. Im Hotelgarten wurde 1946 das Filmfest von Locarno geboren, das wichtigste kulturelle Ereignis der Region. Unter Denkmalschutz, fürchtet Acs, werde das Hotel nie kommen. Pessimistisch prophezeit er: „Hier soll dasselbe passieren wie mit dem Grandhotel in Brissago.“ Das Traditionshaus stand so lange leer, bis die hohen Sanierungskosten den Abriss rechtfertigten. An seiner Stelle steht jetzt ein Betonklotz mit Apartments. In Locarno muss es nicht ganz so schlimm kommen. Im Januar 2012 wurde ein neuer Plan der Eigentümer bekannt: Das Hotel samt Nebengebäude Casa Rossa und Grundstück soll für 92,2 Millionen Franken verkauft und mit einem neuen, unterirdischen Wellness-Bereich (kostet zusätzlich 3,4 Millionen) wieder betrieben werden. Neben den ehrwürdigen Gemäuern sollen aber auch für 8,4 Millionen Neubauten mit Eigentumswohnungen entstehen. Gesucht wird also ein Investor, der insgesamt 104 Millionen Franken lockermacht. Sicher gut verdienen würde er an den neuen Apartments, die sich für insgesamt 20 bis 25 Millionen verkaufen ließen. Am Lago Maggiore, einem der teuersten Immobiliengebiete der Schweiz, wo ein Quadratmeter Bauland bis zu 15 000 Franken kostet, wird die kulturelle und natürliche Schönheit oft in bare Münze gewechselt. Leider geht das immer wieder mit dem Verlust von Denkmälern und dem Entstehen von Bausünden einher. Nachhaltig wirtschaftet die Branche nicht. Denn am Ende könnte das eigentliche Kapital angegriffen werden: die Schönheit.
Die natürlichen Reize der Region sind allerdings so gewaltig, dass sie von Menschenhand kaum gänzlich zu zerstören sind. Vor 200 Millionen Jahren begann die Entwicklung dieser Landschaft. Das Tessin war damals ein flaches Stück Meeresgrund, an dem sich Muscheln sammelten und in Kalkstein verwandelten. Bis das heutige Italien, das sich von der afrikanischen Kontinentalplatte gelöst hatte, auf Europa zutrieb und mit der Landmasse kollidierte. Nach dem Zusammenstoß türmte sich der Meeresboden zu kilometerhohem Gebirge auf, während das Gestein Afrikas unter der europäischen Platte verschwand. Entlang der Nahtstelle entstand eine seitliche Spannung. Sie entlud sich in einem Bruch.
Die Cimetta, drei Seilbahnfahrten und fast 1500 Höhenmeter oberhalb von Locarno, steht am Rand dieser Trennlinie zwischen Nord- – und Südalpen. Von hier sieht es aus, als sei das Gebirge beim Aufeinandertreffen der Kontinentalplatten wie ein Knäckebrot gebrochen. Da die Berge den Lago Maggiore vor kalten Nordwinden schützen, herrscht ein subtropisches Klima. Es gibt mehr Palmen, Wärme und Sonne als irgendwo sonst in der Schweiz.
Wasser und Eis kämpften immer wieder gegen die Berge. Vor 15 000 Jahren, in der letzten Eiszeit, schoben sich riesige Gletscher über das Land. Sie bewegten Felsen unter sich, die ein tiefes Becken ins Gebirge ritzten: Der Lago Maggiore entstand. An seiner tiefsten Stelle misst er 372 Meter, sie befindet sich 170 Meter unterhalb des Meeresspiegels.
Das Wasser der einstigen Gletscherflüsse Maggia und Ticino knabbert bis heute an den Bergen. Die Maggia mit ihrem stärkeren Gefälle spült Felsen und Geröll in den See. Von oben sieht ihr Mündungsdelta aus wie eine Zunge, die sich in den See streckt. Darauf liegen die Städte Locarno und Ascona. Wo der flachere, träge Ticino in den See fließt, ist der Grund sandig, da er kein grobes Gestein bewegen kann.
Einst war das Ticino-Delta ein großer Sumpf, der sich gut 20 Kilometer hinauf bis nach Bellinzona erstreckte. Der Flusslauf änderte sich nach jedem Hochwasser. Aber weil im Mündungsgebiet auch die Malariamücken eine gute Brutstätte hatten, fingen die Tessiner 1888 an, den Fluss zu begradigen. Seitdem ist der Strom gebändigt, der Sumpf ausgetrocknet, das Land wird intensiv genutzt. Malaria gibt es auch nicht mehr. Nicht alle Eingriffe in die Natur gehen auf Kosten der Schönheit.
Mit dem Sumpfgebiet drohte aber auch ein einzigartiges Ökosystem zu verschwinden. 1974 erklärte der Kanton Tessin das, was vom Ticino-Delta übrig geblieben war, zum Naturschutzgebiet. Bolle di Magadino heißen die 660 Hektar Flussdelta, die in ein absolutes und ein, nun ja, etwas weniger absolutes Schutzgebiet unterteilt sind.
An diesem Sonntagmorgen herrscht in den Bolle (italienisch für „Blasen“) Ruhe. Die Biologin Sabina Salvioni führt Gäste an Methanblasen sprudelnden Auen und mächtigen Dammmauern vorbei, hinein in ein Feuchtgebiet, das Milliarden von Mücken als Brut- und rund 160 Zugvogelarten als Rastplatz nutzen. „Hier finden Vögel nahrhafte Insekten und fressen sich voll, bevor sie die Alpen überqueren“, erklärt Salvioni. Zu sehen sind Grau- und Silberreiher sowie ein Eisvogel, der direkt vor der Biologin wegfliegt. „Das passiert sehr selten“, sagt sie begeistert. Dazu findet sie kürzlich abgestreifte Schlangenhäute. Ein 45Teil der Bolle ist renaturiert. „Wir haben dem Fluss wieder die Möglichkeit gegeben, neue Sandinseln zu formen“, erklärt Salvioni und zeigt auf das Nordufer der Ticino-Mündung. Dort sieht es permanent anders aus als auf den neuesten Landkarten.
Es ist fast idyllisch – bis am Flugplatz von Magadino, der innerhalb des Naturschutzgebiets liegt, der Fallschirm-Wettbewerb eines österreichischen Getränkekonzerns beginnt und laufend Flugzeuge abheben. „Nicht ideal“, sagt Salvioni, „aber soll der Flugplatz verschwinden?“ Es ist wieder einer dieser Zwiespälte, den der Wohlstand an den See brachte.
Von dieser Entwicklung hat auch Britta Soldati-Krantz profitiert. Als Relocation Manager hilft sie Menschen, die sich im Tessin niederlassen, bei allen Belangen: von der Wohnungssuche über Bankkonten und Steuern bis zur Schule für die Kinder. Bevor sie für ihre Kunden einige der raren, leeren Traumhäuser am Lago Maggiore besucht, macht sie einen Abstecher ins Verzascatal – vielleicht weil sie diese Landschaft noch immer liebt. In Lavertezzo, an der Talbrücke Ponte dei Salti, deren zwei Bögen das smaragdgrüne Wasser des Flusses Verzasca überspannen, erzählt sie: „Meine Mutter brachte uns hierher zum Schwimmen.“ Das war in den Sechzigerjahren, als Soldati-Krantz ein junges Mädchen und ihre Familie gerade aus Schweden ins Tessin gezogen war. Mondän ist an diesem Tal nichts, es herrschen Fels, Wasser und Natur. Um zu arbeiten, fährt die Immobilien-Expertin dann an den See. Oberhalb von Brissago besucht sie ein langes, rosafarbenes Gebäude im Landhausstil, das auf Interessenten wartet.
In Ascona steht eine andere Villa, die 1968 von Alberto Camenzind, dem Chefarchitekten der Schweizer Landesausstellung Expo 1964, gebaut wurde. Das Sockelgeschoss des Hanghauses aus Naturstein erinnert an die Rustici, die traditionellen Steinhäuser der Tessiner Täler. Wohn- und Esszimmer, erreichbar von unten über eine Treppe aus massiven Steinquadern, sind nach Osten, Süden und Westen verglast und auf den See ausgerichtet. Auf den mächtigen Deckenbalken thront das Obergeschoss mit den Schlafzimmern und einer Haut aus Kupfer.
Vor schlechtem Geschmack ist aber selbst ein solches Haus nicht sicher. Das Wohngeschoss hat einen dunklen Parkettboden und vor dem Eckfenster eine Bar, die den Blick auf den See versperrt. „Der Vorbesitzer hat viel Geld investiert, um die Patina der Zeit zu entfernen“, sagt Peter Rabitz von der Immobilienagentur Wetag. Früher verkaufte er Villen in Los Angeles, seit der amerikanischen Immobilienkrise macht er Investoren das Tessin schmackhaft. Zum Beispiel so: „Ascona soll das Saint-Tropez des Lago Maggiore werden“, sagt er. Davon ist der Ort, in dem Plastikstühle in Restaurants zum Standard gehören, aber noch weit entfernt.
Eine der Ersten, die den See unter den Reichen und Kreativen bekannt machte, war die Baronin Antoinette de Saint-Léger. Sie kaufte 1885 die Brissago-Inseln und ließ auf der großen eine Villa bauen, Pflanzen aus aller Welt einführen und lud Künstler wie James Joyce und Rainer Maria Rilke ein. Als der Baronin 1927 das Geld ausging, kaufte Max Emden, ein jüdischer Kaufmann aus Hamburg, die Inseln. Er ließ die Villa der Baronin abreißen und ein neoklassizistisches Herrenhaus bauen. In seinem persönlichen Garten Eden wurde er von nackten Schönheiten umgeben, mit denen er auf dem See Wasserski fuhr.
Ein Hauch der vergangenen Zeit ist noch spürbar im Botanischen Garten des Kantons Tessin. „Ich möchte, dass die Menschen hier entschleunigen, ihr Handy ausschalten“, sagt Guido Maspoli, Direktor der Insel, der diesen exotischen Flecken mit Feingefühl pflegt. Er weiß, wie einmalig er ist. Denn eigentlich dürfte es keine Insel in einem See geben, der durch Gletscherbewegungen ins Gebirge gefurcht wurde. Aber hier neutralisierten sich die Kräfte der Flüsse Maggia und Ticino. Das Überbleibsel aus dem Kampf zweier Gletscher sieht aus wie die Miniatur eines Alpenzugs.
Auf der Insel spenden Bambuswälder Schatten, Kakteen wachsen in einem Beet aus Vesuv-Lava. Zudem gibt es Zierbananen, Farne sowie eine Palmenpromenade und Max Emdens römisches Bad. Der Zauber des Lago Maggiore und all seine Widersprüche aus der Erdgeschichte, dem Klima, der Vegetation, der Baulust verschmelzen hier auf ideale Weise zu einem paradiesischen Tagtraum.

Autor: Juha Päätalo

Vorausschauend fahren


Apfelpapier, Schreibmaschine, Raketenantrieb. Wer hat’s erfunden? Die Südtiroler. Im Elektroauto machen wir uns auf die Suche nach bahnbrechenden Neuerungen aus dem Land der alpinen Avantgarde.

Der Opel Ampera vor der Sternwarte Max Valier in Gummer

Der Opel Ampera vor der Sternwarte Max Valier in Gummer

Schuld ist an jenem Abend im Jahr 1867 wie immer nur der Alkohol. Mitten in Paris, bei festlichem Essen und französischem Rotwein, sitzen die renommiertesten Physiker Europas zusammen: von Zénobe Gramme über Antonio Pacinotti bis hin zu Werner Siemens. Alle lauschen den Worten eines gewissen Johann Kravogl aus Lana. Der bis dahin unbekannte Schlosser aus dem Etschtal ist zur Weltausstellung in die französische Hauptstadt gereist, um seine neueste Erfindung vorzustellen. Und was für eine. Weiterlesen

Die schönsten Bilder aus Südtirol


Für das Reisemagazin Südtirol haben unsere Fotografen wieder viele schöne Bilder gemacht. Und da der Platz in einem Heft begrenzt ist, fiel die Auswahl schwer. Hier bekommen Sie einige Eindrücke aus dem aktuellen Magazin: unkommentiert und einfach schön. Lehnen Sie sich zurück und reisen Sie mit.

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“Ich wurde hinterrücks ermordet”


Ötzi-Darsteller Peter Schorn sitzt hier im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen.

Ötzi-Darsteller Peter Schorn sitzt hier im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen.

Er starb vor 5300 Jahren. Und trotzdem ist er einer der berühmtesten Südtiroler. Ötzi, die Gletschermumie, gefunden 1991 in den Bergen des Vinschgaus, lockt scharenweise Touristen an und lässt die Herzen der Forscher höherschlagen. Tausende Fragen haben die Wissenschaftler an den gefrorenen Körper gerichtet. Ötzi hat geantwortet. In Knochen- und Weichteilproben, DNA- und Zahnschmelz-Analysen, Darmspiegelungen und Röntgenbildern. Seine Geschichten sind spannender als ein Krimi und aufschlussreicher als eine Doktorarbeit. Gespräch mit einem Mann aus der Kupferzeit. Weiterlesen

Aus Laibes Kräften


Ahrntaler Graukäse schmeckt nach Bergbauernstall und jahrhundertealter, harter Arbeit. Als er auszusterben droht, erlebt er seine Renaissance in der Spitzengastronomie. Die Geschichte einer kulinarischen Sensation. Weiterlesen